Auch der heutige Tag begann wieder mit einem Schrecken!
Normalerweise bin ich hier in Japan immer gegen 4 Uhr munter. Aber nicht heute! Heute war es erst 7.30 Uhr! Und das an einem Tag, der als besonders lang beschrieben wurde. Gehzeit zwischen 8 und 12 Stunden. Dazu kommt noch, dass ich noch etwa eine Stunde vom eigentlichen Startpunkt der heutigen Etappe entfernt übernachtet habe.
Da war es gut, dass ich mein Frühstück schon gekauft und der Rucksack schon fertig gepackt war.
Kurz nach 8 Uhr ging es los. Nur dünnes Fleece und keine Daunenjacke, obwohl es doch recht frisch war. Es sollte heute dreimal von 30 auf über 600 Meter gehen. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen! Und dann hatte ich es ja auch noch eilig!
Den Tempel 11 habe ich problemlos in einer Dreiviertelstunde erreicht. Eigentlich wollte ich hier noch einen Geocache suchen bzw. finden. Das habe ich mir in Anbetracht der Situation dann doch verkniffen.
Und dann ist es wieder passiert. Ich bin zwar der Ausschilderung gefolgt, aber die ging in eine andere Richtung. Nach 40 Minuten war ich wieder am Tempel. So langsam wurde mir bange, was die Zeit anbelangt. Um 6 Uhr ist es hier finster.

Diesmal habe ich lieber nach dem Weg gefragt. Er ging etwas versteckt zwischen den Tempelgebäuden weiter. Dann ging es los. Immer bergauf durch märchenhaften Wald. Links und rechts des Weges viele kleine Statuen und winzig kleine Steinhäuschen mit irgendwelchen Gottheiten (?).

Wer denkt, Trailmagic gäbe es nur in den USA, dem kann ich sagen, sowas gibt es auch hier.

Wasser für vorbeikommende Wanderer oder Pilger an den Wegesrand zu stellen, habe ich auch schon in Indien gesehen. Erlebt, glücklicherweise noch nicht. Da wäre ich mit Wasser sowieso sehr vorsichtig.
Es ging also immer fleißig bergauf. Man hatte das Gefühl, die Lunge könnte reißen, so steil war das. An ein Filmen des Aufstieges war also nicht zu denken. Angeblich soll die durchschnittliche Steigung bei 25 Prozent liegen. Das heißt, da sind durchaus noch steilere Abschnitte dabei. Teilweise waren sogar Seile gespannt, damit man sich festhalten konnte.
Der Schweiß floss in Strömen und ich war froh, dass ich keine Daunenjacke angezogen hatte. Ich musste auch schrecklich auf den Weg aufpassen. Die feuchten Steine waren ganz schön glatt. Besonders bergein lief man Gefahr auszurutschen und zu stürzen.
Mir war schrecklich warm und ich bekam gar nicht richtig mit, wie kalt es wirklich war.

Und als der strahlende Sonnenschein des Morgens weg war, fing es aus den aufgezogenen Wolken an zu schneien!
In meiner kurzen Mittagspause, in der ich mein Osettai vom Vortag verspeiste, erfuhr ich, dass der Tempel 12 nicht wie üblich um 17, sondern schon um 16 Uhr schließt. Wenn ich da zu spät ankomme, kann ich keine Stempel in mein Pilgerbuch bekommen!
Also, wieder den Turbo einlegen und los!
Die Rasten, vor allem bergauf, wurden immer mehr, aber auch immer kürzer. Wenn man nicht in Bewegung war, war es ganz schön kalt.

Es ging nochmal an einem Nebentempel vorbei, bevor ich nach einer weiteren halben Stunde Tempel 12 erreichen konnte.

Und dort gab es wieder eine Überraschung! Als ich auf meine Uhr schaute, war es noch nicht mal 15 Uhr! Ich war also ganz schön sportlich unterwegs gewesen!
Der halbstündige Abstieg zu meiner heutigen Unterkunft Sudachi-an war dann nur noch ein Kinderspiel.

Hier in der Unterkunft erwartete mich wieder ein herrlich entspannende heißes Bad und das Feierabendbier war heute besonders erfrischend!

Es schmeckt sogar nicht mal schlecht! Es ist auf jeden Fall um Längen besser, als das Bier in Amerika.
Zum Abendessen gab es heute Reis mit Gulasch. Ich war gespannt, wie das die Japaner essen werden. Als sie alle auch zu einem Löffel griffen und loslegten, war ich richtig froh. Mit Stäbchen hätte ich mich völlig blamiert.