Heute war kein schöner Tag. Der Wetterbericht hatte gestern Abend noch 90 Prozent Regenwahrscheinlichkeit prognostiziert, es sind 100 Prozent daraus geworden.
Auch das Frühstück war kein besonders tolles. Das einzige Essbare für mich war der obligatorische Krautsalat mit in Form gepresstem Rührei. Die Form erinnerte an kleine Briketts. Wer weiß, vielleicht war es auch etwas Chemisches?
Das Bezahlen klappte prima, war ja auch Cash. Wer aber würde mich wann zurück nach Katsuura bringen? Die Chefin war nicht da, die mich hierher gebracht hatte. Ich habe ein wenig gebettelt, dann hat sich der ältere Herr von der Rezeption erweichen lassen und mich gefahren. Als ich ihm Geld fürs Fahren geben wollte, verweigerte er strikt die Annahme.
Dann bin ich erst mal in einen Supermarkt und habe mir einen heißen Milchkaffee in der Flasche und ein paar Brioche gekauft und Frühstücke gemacht. Ohne eine gescheite Grundlage geht kein Tag richtig los.
Also dann raus in den Regen und los. Natürlich erst mal wieder 500 Meter in die Höhe.

Das war gar nicht so einfach! Der Weg war betoniert, leicht moosig und da nass, auch elendig glatt. Auch der Stock war keine Hilfe, eher das Gegenteil! Anstrengung pur! Ich war ganz schön fertig, als ich oben ankam.
Oben angekommen, war der Tempel nur zu erahnen, und das, wo man doch nur 20 Meter davor stand.

Bei dem Wetter will man sich auch nicht wirklich durch Herumspazieren die Zeit vertreiben. Da will man nur den Stempel und weiter! Eine Möglichkeit, sich an einem trockenen und vielleicht auch noch warmen Fleck auszuruhen, gibt es nicht.
Also weiter, wieder den Berg hinab. Wenn man denkt, dass das leichter geht, weit gefehlt! Mir kam es so vor, dass es abwärts noch glatter war. Treppenstufen sind da auch heimtückisch, da steil und aus Beton, also glatt!

Ich habe mich nun entschieden, einen 4 Kilometer Umweg im Tal zu machen, um dann mit der Seilbahn auf den nächsten Berg zu kommen. Dazu musste ich immer an der Straße entlangi laufen. Ein wenig Hoffnung hatte ich, dass ein Autofahrer Mitleid mit einem nassen Pilger hätte, aber war nicht. Zum einen kamen nur ganz wenige Autos und die wollten sicherlich nicht, dass die Sitzbezüge nass werden.

Nach 1 1/2 Stunden Marsch habe ich dann die Talstation erreicht, immer mit der Angst, sie könnte bei dem Mistwetter nicht fahren. Aber Glück gehabt, Karte gekauft, 15 Minuten Wartezeit, japanische Cola getestet (gar nicht mal übel!) und dann ging es ab nach oben. Die Aussicht war Null Komma Null!


Witzig fand ich, dass es im Boden der Gondel an einer Stelle eine vergitterte Aussparung gab, durch die sehen könnte, wie hoch man über dem Erdboden schwebt. Wie schon erwähnt, es gab nichts zu sehen. Nur wenn die Wolken zu dicht wurden, wurde es auch in der Gondel neblig.
Oben angekommen war es bitter kalt. Es waren 4 Grad, man ist verschwitzt und es bläst ein kräftiger Wind. Muss ich noch was sagen? Alles klar!

Eigentlich war alles hier oben schön angelegt, aber man will bei dem Mistwetter nur weg.
Da der Mönch, der die Pilgerstempel verteilte mir sagte, dass ich an der Bergstation einen heißen Tee bekommen könnte, habe ich dort noch mal angehalten. Dieser Tee wurde aus Pilzen zubereitet. Nun ja! Kann man mal kosten, muss man aber nicht unbedingt haben!
Dann ging es durch einen Märchenwald weiter immer schön steil bergauf.

Das Bild zeigt gar nicht richtig die Wirklichkeit. Es war viel dunkler. Es ging weiter zu einem eigentlichen Highlight der heutigen Strecke, dem sitzenden Kükai. Das ist der, der den Buddhismus hierher gebracht haben soll und wegen dem es diesen Pilgerweg gibt.

Eigentlich sollte es hier eine super Aussicht geben, aber…!Auch hätte ich mich an einer Kette hochziehend auf den Felsen klettern können, aber das habe ich mal lieber sein lassen.
Dann wieder fast 3 Kilometer abwärts.

Ich dachte, dass nach diesen 3 Kilometern, die auf einem Schild standen, der nächste Tempel und damit das Ziel der heutigen Etappe erreicht sei. Fehler! Das war die Entfernung bis zur nächsten Straße. Hier stand dann das Schild, dass es noch 4,8 Kilometer waren.
War sowieso alles egal. Ich war schon eine ganze Weile trotz Regenklamotten bis auf die Haut nass.
Im Wald war der Regen einigermaßen erträglich, wenn man dann aber heraustritt und übers freie Feld mit dem Wind muss, macht es keine Freude mehr.
Dann noch schnell zum letzten Tempel des heutigen Tages, der auch recht schön anzuschauen war.



Ich bin auch wieder nur schnell durch und habe meinen Stempelbeitrag mit den klammen Fingern kaum bezahlen können.
Von hier aus war es bis zur Unterkunft nur noch ein Katzensprung. Genau 15 Uhr war ich da. Nass bis auf die Haut, ziemlich verfroren und ein wenig fertig, da ich auch unterwegs nichts essen konnte oder wollte.
Ich habe mein Zimmer bezogen, erst mal alles ausgezogen und aufgehängt (Es tropft überall.) und ab unter die Dusche im kalten Bad. Bloß gut, dass ich alles, was ich im Rucksack habe, nochmal wasserdicht verpackt habe! Dadurch ist alles im Rucksack trocken geblieben und ich kann mir trockene Klamotten anziehen.
Zum Einkaufen ging es, nachdem auch der zweite Übernachtungsgast da war mit dem Auto in den Nachbarort. Nun ist alles erledigt. Ich habe mein heutiges Mittagessen (jetzt endlich verspeist), mein Abendessen, mein Frühstück für morgen und etwas Wegzehrung für morgen, da ein Einkaufen unterwegs nicht möglich sein soll.