Usacho

Heute habe ich nur eine kurze Etappe hinter mich zu bringen gehabt, da ich ja gestern schon etwa 10 Kilometer mehr gelaufen bin.

Gleich nach dem Frühstück ging es wieder los. Es war ziemlich kalt heute morgen. Man konnte seinen Atem sehen. So bin ich erst mal wieder den Berg hinauf zum Tempel, in der Hoffnung, heute erfolgreich zu sein. Mein großes Gepäck konnte ich erst einmal in meiner Herberge liegen lassen. Da musste ich ja sowieso wieder vorbei. Einfach nur mit Pilgerbuch und Pilgerstab den Berg rauf, das geht schon deutlich leichter und damit auch schneller.

Oben angekommen, dachte ich, mich laust der Affe! Wieder alles zu! Dann sah ich aber, dass ein Pilger irgendwohin verschwand und kurze Zeit später wieder erschien. Ich dachte mir, da schaue ich auch mal nach. Und siehe da, dort war das Tempelbüro! Ich hatte es gestern einfach nur nicht gefunden. Tja, wer keine Augen im Kopf hat, hat es eben in den Beinen!

Stempel abgeholt, Rucksack abgeholt und down to town. Durch Tosa bin ich heute ohne größere Umwege gekommen.

Als ich den Ort bereits verlassen hatte und am Fluss entlang lief, hielt eine Frau mit ihrem Auto neben mir an und erklärte mir unbedingt, dass ich in der falschen Richtung unterwegs sei. Wahrscheinlich ist sie davon ausgegangen, dass ich zum Nächstliegenden Tempel wollte. Dem war ja nun nicht so. Erst als ich ihr meine Route in der App zeigte, konnte sie sich beruhigen. Tja, manchmal kennen sich auch fremde Leute ein bisschen aus.

Ansonsten verlief der Marsch zum nächsten Ort ohne besondere Vorkommnisse. Erwähnenswert wäre vielleicht, dass ich 1,5 Kilometer durch einen Tunnel marschiert bin, weil ich keine Lust hatte, auf einem Weg, der offensichtlich nicht begangen wird, über den Berg zu laufen.

So gegen 9 Uhr erreichte ich auch schon den Ortseingang meines heutigen Etappenzieles. Dort stand ein Lawson Supermarkt und ich dachte mir, Geld aufzutanken, wäre keine schlechte Idee. Dringend gebraucht habe ich es noch nicht, aber ich hatte ja heute viel Zeit und so konnte ich es mal ausprobieren, ob ich das hinbekomme.

Ich habe es nicht hinbekommen, obwohl ich Englisch als Sprache auswählen konnte. „Der Vorgang wird von ihrer Bank nicht unterstützt!“

Hallos, was soll das denn wieder werden? Da kam mir die Idee, eine Kassiererin zu bitten, mir am Automaten behilflich zu sein und das alles in Japanisch zu machen. Und siehe da, das ging! Sie wollte erst nicht so recht, aber dann zeigte sie mir doch, wo ich draufdrücken musste. Das musste ich schon selber tun.

Natürlich habe ich dann bei ihr auch noch was gekauft. Ein warmer Milchkaffee ist nie verkehrt und schon gar nicht, wenn es draußen noch recht kühl ist.

Und dann sah ich etwas, das habe ich noch nie live und in Farbe gesehen! Leute, Japan ist gefährlich! Ein Pilger ist auf offener Straße überfallen worden! Er hatte den Fehler begangen, sein soeben gekauftes Sandwich auf der Straße essen zu wollen. Wie aus dem Nichts stürzte ein Greifvogel auf ihn herab, fasste das Sandwich und war mit selbigem fort. Unwahrscheinlich! Am nächsten Supermarkt sah ich ihn wieder. Diesmal verzehrte er sein Frühstück drinnen.

Dann ging es am Hafen entlang. Überall Boote mit riesigen Angeln. Auf einem dieser Boote hätte ich zum Hochseeangeln mitfahren können. Ach nee, was mache ich dann mit dem Fisch, sollte ich einen fangen? Aber vielleicht hätte ich ja auch nur die Fische gefüttert?

Also weiter. Ich habe überlegt, ob ich erst einmal zu meiner Unterkunft gehen sollte, mein großer Gepäck abladen und mit kleinem Gepäck zur nächsten Stempelstelle marschieren sollte? Da wäre ich aber sehr zeitig angekommen. Da sind vielleicht noch nicht mal alle Gäste der letzten Nacht fort?

Also mit allem, was ich habe, weiter zum Tempel 36.

Unterwegs konnte ich feststellen, dass es in Japan nicht nur Fischer, sondern auch Imker gibt.

Nach 3 Kilometern bin ich dann am Tempel der heutigen Begierde angekommen. Klein und fein!

Was nicht so toll war, wenn man mal das Fotolicht weglässt, um hinauf zu kommen, muss man über 176 Stufen steigen. Und die kennen keine DIN, sondern nur die Norm der Großzügigkeit!

Was gab es heute sonst noch so? Es blüht überall.

Die Kamelien blühen (noch) in allen möglichen Varianten. Osterglocken und Narzissen sowie, natürlich wild. Hier und da ist mal ein blühendes Mandelbäumchen zu sehen. Aber von der berühmten Kirschblüte gibt es keine Spur. Ich glaube, die gibt es nur in bestimmten Parks zu erleben. Einmal hat es ja geklappt!

Thema Autos: Vorherrschende Marken sind Honda und Daihatsu aus Korea. Meistens sind das Kleinwagen. Irgendwie, finde ich, sehen die alle komisch aus. Man denkt, das wären Schuhkartons auf vier Rädern.

Hinterlasse einen Kommentar