Der heutige Tag begann wieder mit herrlichstem Sonnenschein. Heute war schnelles Aufstehen angesagt, damit man beim Zähneputzen nicht anstehen und warten musste. Schließlich wollte ich pünktlich aus dem Haus, denn heute ging es erst einmal auf eine Fähre. Die Anlegestelle hatte ich gestern schon ausgekundschaftet. Das hätte ein Geocache sein können, so gut war diese hinter einer kleinen Fabrik versteckt. Nicht Auszudenken, was wäre, wenn ich die verpassen würde!

Aber ich war pünktlich. Die Fähre war auch schon da und wen treffe ich nach 3 Tagen wieder? Kaji-san! Und heute zeigte er mir sein ganz besonderes Mitbringsel.

Das gibt es ja wohl nicht! Da war er schon auf dem Jakobsweg!
Ganz pünktlich lief die Fähre aus. An Bord waren nur Henro-Pilger. Beim zweiten Stopp gab es eine kleine Überraschung.

Die Besitzerin meiner Unterkunft (Sie besitzt noch ein zweites Guesthouse.) steht am Ufer und bedankt sich bei mir und einer Niederländerin, die im gleichen Guesthouse wie ich übernachtete, mit einem Banner. Ist das lieb?
Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt kamen wir an. Alles von Bord und los! Mittlerweile kennt man ja die „Ausschilderung“ des Weges. Da braucht man die App nicht unbedingt! Oder doch? Nach einer halben Stunde bemerkte ich dann doch, dass die von mir geplante Strecke woanders langgeführt hätte. Was soll’s! Viele Wege führen nach Rom, oder in meinem Fall nach Kure.
Heute reihte sich zu Beginn wieder eine Ortschaft an die andere. Aber dann! Heute hat es mal geklappt! Ich habe einen Abzweig von der Hauptstraße gefunden und bin diesem, obwohl es erst mal steil bergan ging, gefolgt. Dieser Abzweig war mein Plan und ich war ein bisschen stolz auf mich.
Endlich mal ein bisschen Ruhe! Dennoch muss man auch auf solchen Seitenwegen immer mal mit einem Fahrzeug rechnen. Manchmal steht da auch mitten im Wald ein Betonmischerauto und verteilt seine Masse auf andere Fahrzeuge, die sie weiter transportieren, damit die ganze Insel zubetoniert werden kann.

Leider sieht es auf Seitenwegen auch oft so aus. Aber es gibt von hier oben auch schöne Aussichten.


Nach einer halben Stunde ging es wieder hinunter an die Straße. Ich war sicherlich der einzige, der diesen Weg genommen hatte, denn alle, die ich schon lange überholt hatte, waren wieder vor mir. Bloß gut, das diese Tour kein Wettkampf ist!
Gegen Mittag bog dann der Weg wieder von der Hauptstraße ab und wurde zu einer Küstenstraße.


Anfangs war es erst einmal auf Meeresebene. Dann ging es aber langsam höher und höher. Links ging es etwa 50 Meter fast senkrecht in die Tiefe. Auf der anderen Straßenseite ebenso steil nach oben. Ab und zu stand ein Auto am Straßenrand und man musste schon gut suchen, um den angelnden Fahrer unten am steinigen Ufer zu entdecken. Da wird Angeln wirklich zum Sport.
Gegen halb 2 Uhr kam ich total verschwitzt an (Heute war es sehr warm und ich habe mein Fleece beizeiten abgelegt.) und habe meine heutige Unterkunft auch gleich gefunden.


Glücklicherweise konnte ich auch gleich einchecken. Danach habe ich auf der Suche nach Mittagessen eine Sake-Brauerei gefunden. Dort wollte ich mich ein wenig umschauen und vielleicht auch etwas kosten. Leider war der Herr in der Brauerei nicht sehr freundlich. Also bin ich wieder gegangen. Danach besuchte ich noch einen kleinen Markt, der ganz niedlich war. Da hätte man schon etwas Geld dort lassen können. Das Gekaufte hätte man dann aber auch die ganze Zeit Tragen müssen!


Und dann gab es hier noch ein Spezialgeschäft für Sake. Das wird ja immer im Kreuzworträtsel gefragt. Reisschnaps mit 4 Buchstaben. Habe ich mir nur angeschaut, nix gekauft.
In der Unterkunft (Ryokan) angekommen, war dann auch das Bad frei und ich konnte endlich duschen. Natürlich wird dann die Hauskleidung getragen!

Und so geht’s auch zum vorzüglichen Abendessen.

Rechts, das Blaue, das ist dann Sake. Es wurde zum Essen angeboten und ich dachte mir, dass ich das ruhig mal probieren könnte. Wann hat man schon die Möglichkeit, sowas zu probieren? Schließlich soll die Gegend hier für besonders guten Sake berühmt sein. Nun ja, schmeckt wie warmer Wodka, ist aber nicht so stark. Die beim Essen dabei sitzenden Japaner haben sich ein wenig komisch angeschaut, als ich es bestellt habe. Hinterher erklärten sie mir, dass sie Sake nur trinken, wenn sie sich die Kante geben wollen. Bier wäre besser gegen Durst. Ist ja auch isotonisch!
So, und dann habe ich noch mit der Tochter (?) der Ryokan-besitzer die nächsten Unterkünfte für die nächsten Tage festmachen können. Sie spricht ein sehr gutes Englisch. Bei den Unterkünften, die ich selbst hätte reservieren können, war schon alles belegt. Wahrscheinlich haben die vielen Ausländer, die auf dem Henro unterwegs sind, schon alles reserviert. Aber anrufen bringe ich natürlich nicht! Da ist es super, wenn man so eine Hilfe hat!