Bei strahlendem Sonnenschein verließ ich heute morgen mein Ryokan, nachdem ich noch ausgiebig gefrühstückt hatte. Es gab unter anderem gebratenen Fisch. Das am frühen Morgen und auf nüchternen Magen! Egal, ich brauche Kalorien! So richtig pappsatt wird man hier wahrscheinlich nie. Dem Essen fehlen einfach die Ballaststoffe. Hat aber auch den Vorteil, dass man nicht so oft auf Toilette muss.
Nun gut! Ich hatte mir eingebildet, dass ich heute nur 16 Kilometer vor mir habe und ließ den Tag entsprechend ruhig angehen. Ich ließ mir sogar die Zeit, noch einen Geocache, der nahe der Strecke versteckt war, zu suchen. Ich habe ihn auch gefunden und geloggt.
Dann ging’s wirklich los. 2 Kilometer hinter dem Ortsausgang dann dieses Schild.

Ich dachte mir, die wollen mich veräppeln. Das Schild steht an einer asphaltierten Straße. Nun, ich bin gespannt! Ruhig war es schon mal, wenn man mal davon absieht, dass die Vögel ganz schön laut waren. Und was soll ich sagen, mir kamen in der nächsten halben Stunde nur zwei Autos vor die Augen.

Es war in diesem Tal richtig einsam. Dann ging es weiter an einem Fluss entlang, bei dem die Ufer leider mit Beton befestigt waren. Ich denke fast, Japan und Beton gehören irgendwie zusammen.
Und dann kam Wald. Richtig Wald! Kein befestigter Weg mehr! Richtig Waldweg!

Ach, war das schön! Und den Gelenken tat es auch mal gut! So ging es eine ganze Weile hin, bis der Weg nach rechts abbog und sich einen steilen Berg hinauf schlängelte.

Das war natürlich wieder schweißtreibend. Und um das Ganze noch zu toppen, gab es zum Schluss noch mal eine richtige Stiege.

Oben angekommen, ist man natürlich erst mal außer Puste. Aber man hat eine tolle Aussicht.

Ja, von ganz da unten hinten komme ich heute her! Beim Aufnehmen dieses Bildes ist mir doch ein Missgeschick passiert!
Ich hatte den Rucksack abgenommen um ein wenig zu lüften und meinen Pilgerstab ans Geländer gelehnt. In dem Moment, als ich dachte, er wird doch nicht hinunter fallen, passierte es auch schon. Ohne Pilgerstab? Geht nicht! Also übers Geländer geklettert, drei Meter am steilen Hang in die Tiefe durch mächtig viel Müll geklettert und alles geborgen. Man fühlt sich doch gleich viel besser, wenn man seine Siebensachen wieder beisammen hat.
Das war heute so ein schöner Morgen, wenn nicht dieser Blödsinn passiert wäre. Aber so kann ich wenigstens etwas Außergewöhnliches berichten.
Dann ging es wieder an der Straße entlang. Heute war aber auffallend wenig Verkehr. Absolut keine LKWs. Ob das daran liegt, dass heute Samstag ist?
Pünktlich um 12 Uhr tönte wieder der Westminster Sound durch die Lande. Zeit für eine kurze Rast im Schatten, denn die Sonne knallt schon ganz schön runter. Das Fleece habe ich schon lange aus. Das Handy zeigt 20 Grad! Bloß gut, dass es besagte Getränkeautomaten gibt. Sowas schönes Kühles wäre jetzt chic. Ich habe Glück. Hier in der Nähe steht sogar so etwas, was ich mal Sitzgelegenheit nennen würde. Bänke an sich scheinen hier unüblich zu sein. Selbst an Bushaltestellen findet man keine. Nun gut, es gibt ja auch keine Wartehäuschen.
Heute habe ich mich auch lange Zeit nicht verlaufen. Ich bin immer schön den Ausschilderungen gefolgt. Wobei, meistens sind die ja dort, wo man sich sowieso nicht verlaufen kann. Also auf gerader Strecke, wo nicht mal ein Weg abgeht. Wenns wirklich drauf ankommt…! Naja! Und so passierte es wieder, dass ich zwei Kilometer vor dem Ziel einen Abzweig nahm (war aber so beschildert!) , den ich nicht hätte nehmen sollen. So kamen noch zwei bis drei Kilometer, teilweise durch eine Baustelle, bis zum Tempel dazu. Auch habe ich im Nachhinein festgestellt, dass ich mit der Schätzung der heutigen Wegstrecke völlig daneben lag. Laut Messung waren es 26 Kilometer gewesen! Plus Bonuskilometer. Egal! Halb 2 Uhr war ich am Ziel.





Der Tempel selbst war nichts Spektakuläres. Schön ist aber, wenn man die wiedersieht, mit denen man heute morgen noch zusammen gefrühstückt hat. Die Verständigung geht zwar gegen Null, aber es reicht einfach schon, wenn man sich einfach nur anlacht.
Okay, eine Besonderheit hatte der Tempel schon zu bieten:

Schön, wenn man das alles nicht so bierernst nimmt!
Nachdem ich dort einige Zeit verbracht habe, machte ich mich auf den Weg zu meiner heutigen Unterkunft.

Leider konnte ich da erst ab 15 Uhr rein. Ich durfte mein Gepäck an der Rezeption abstellen und mir noch irgendwie die Zeit vertreiben. Leider weit und breit keine Geocaches. Also Straße auf und ab und nach einem Supermarkt gesucht, denn Abendessen habe ich sonst keines.

Heute ist nämlich Samstag und da hat der Koch frei. Nach Restaurantbesuch steht mir heute nicht der Sinn. Bei meinem Trip entlang der Straße ist mir ein Fachgeschäft aufgefallen, dort habe ich eingekauft und das gibt es nun heute Abend:
