Ida

Nicht lachen! Der Ort heißt wirklich so!

Heute war ich der Held. Ich bin nur zweimal vom geplanten Weg abgewichen und das war sogar gewollt.

Im großen und ganzen war es kein besonders schöner Tag. Der Tag begann schon mit einem späten Frühstück. Das gab es nämlich erst 7 Uhr. Besonders gut war es auch nicht. Genauso, wie das Wetter. Erstmal war es trübe. Aber was der Wetterbericht voraussagte, verhieß nichts Gutes. Es sollte wieder Regen geben!

Nun gut. Erst mal los und Gas geben, damit man schnell ein größeres Stück des Weges geschafft hat, bevor der Regen kommt.

So früh am Morgen waren die Straßen erst mal wie leergefegt. Weil Sonntag ist? Glaube ich mal nicht, denn der Schulbus fuhr vollbesetzt und in einigen Stahlbaubetrieben wurde auch fleißig gearbeitet.

Nachdem ich etwa 20 Minuten an der großen Hauptstraße entlang lief, ging der Weg wieder etwas abseits weiter.

Das alles ließ sich wieder sehr angenehm laufen. Nur wo waren die anderen Pilger, die sonst so um mich herum waren? Bin ich doch wieder der Erste auf dem Weg?

Dann kam ich an eine Stelle, vor der ich Respekt hatte. Blau in der Karte eingezeichnet, verheißt nichts Gutes. Da wird es nämlich steil. Diesmal aber nicht steil bergauf, sondern steil bergab!

Gut, dass es noch nicht geregnet hat, sonst wäre das eine gefährliche Rutschpartie geworden. Dieser Herr war übrigens der erste Mensch, dem ich nach etwa zwei Stunden begegnet bin.

Von nun an sollte es nur noch mit wenigem Auf und Ab weiter gehen.

Manchmal sieht man sogar ein wenig nahezu unverbaute Natur. Dann gibt es auch mal einen schönen, kleinen Shinto-Schrein.

Und manchmal gibt es skurrile Kunst, die den Garten verschönert.

Und dann wurde es langsam 10 Uhr und damit kam die Zeit, an der der Regen einsetzten sollte. Meine Wetter-App sagte: einsetzender Regen in 5 Minuten. Also ich muss sagen, darauf kann man sich verlassen. Es hat zwar 6 Minuten gedauert bis es losging, aber immerhin. Der Regen ging ziemlich leicht nieder, aber eine Stimme sagte mir, zieh dich richtig an und zieh die Regenplane über den Rucksack. Glücklicherweise kam da gerade eine Eisenbahnunterführung und ich konnte das im Trockenen richten und weiterlaufen. Keine 15 Minuten später wurden im Himmel die Schleusen aufgemacht und es schüttete elendig. Gerade als es damit losging, stand ich an einer Brücke und sah auf der anderen Seite des Flusses eine Unterstellmöglichkeit. Das war das erste Mal, dass ich vom Weg abwich.

Hier verbrachte ich etwa 20 Minuten. Dann stand in der App wieder, dass der Regen in 10 Minuten nachlassen würde. Und genau so war es auch.

Leider stand in der App aber auch, dass es ab um 12 Uhr wieder heftig mit Regnen anfangen sollte und das bis in die Abendstunden.

Somit bin ich kurz vor 12 bei Lawsons noch zu Mittag eingekehrt. Es gab mal wieder Sandwich. Punkt 12 Uhr ging es wieder los mit Starkregen. Früher hieß das Wolkenbruch. Was soll’s! Weiter geht’s!

Woher ich meine Motivation nehme? Die brauche ich nicht! Ich habe mir etwas vorgenommen und dann wird das einfach gemacht. Ich gehöre noch einer Generation an, die gelernt hat, einfach mal die „Backen“ zusammenzukneifen und etwas durchzuziehen. Eine andere Generation sucht und findet gern einen Grund, warum es jetzt gerade nicht geht!

Schluss mit dem Thema, sonst wird das der längste Beitrag auf der ganzen Reise!

Also weiter durch den Regen bis ich an eine Stelle kam, an der es steil bergauf durch den Wald gehen sollte. Da war ich lieber vorsichtig und bin ausgewichen und bin lieber der Straße gefolgt. Das wäre jetzt auf dem Waldboden bestimmt ganz schön glatt und ich verspürte keine Lust, mit selbigem Bekanntschaft zu machen. Das war das zweite Mal, dass ich von der geplanten Route abwich.

So und jetzt kommen einfach mal ein paar schnelle Bilder von unterwegs.

Bei schönem Wetter sieht das bestimmt toll aus, besonders der schön angelegte Park. Bei einer kurzen Rast bei einem Unterstand traf ich dann endlich mal einen Pilger, der in der gleichen Richtung unterwegs war wie ich.

Als der Regen mal ein wenig weniger wurde, zog ich davon. Aber nicht lange. Nach vielleicht 10 Minuten fing es wieder an, zu schütten. Glücklicherweise war da gerade eine kleine Imbissbude, in die ich reinschlüpfte. Das Essen hat gut geduftet, also kann es kein Fehler sein, dort etwas zu verzehren. Ich war der einzige Gast.

Ich habe keine Ahnung, was ich da gegessen habe. Aber es war ganz lecker. Dann aber kam der große Schreck. Als ich bezahlen wollte und in mein Rucksackfach griff, fand ich mein Portmonee nicht! Hosentaschen, Jackentaschen, alles leer! Sch…! Sollte ich das bei Lawsons liegen lassen haben? Dann wären das jetzt 8 Kilometer zurück und wer weiß, ob es dann dort liegt? Das wäre der Supergau! Geld weg, Kreditkarte weg! Deshalb nochmals nachgeschaut und alles ausgeräumt. Und siehe da, es war doch an der Stelle, wo es hingehört, nur etwas tief nach unten gerutscht. Fragt nicht, wie erleichtert ich war!

So, jetzt noch 4 Kilometer durch den Regen! Die Regenklamotten sind durch. Die Schuhe auch. Bloß noch ankommen. Dann, nach 30 Kilometern, am Eingang der Unterkunft ein Schild, dass ich mich woanders zum Einchecken melden soll. Also nochmal 500 Meter weiter und in einem anderen Guesthouse deshalb angefragt. Dort wurde mir auch mitgeteilt, dass ich dort, wo ich reserviert hatte, heute kein Essen möglich sei, da der Besitzer heute nicht da sei. Deshalb die Anmeldung auch hier. Ich getraute mich zu fragen, ob ich in diesem Haus verköstigt werden könnte und ob noch ein Zimmer frei sei? Und beides war möglich. Also blieb ich hier. Als erstes bekam ich einige Handtücher um meine Sachen und den Rucksack abzutrocknen und dann das Zimmer gezeigt. Ist ganz einfach, aber reicht ja. Ich will hier ja keinen Urlaub verbringen.

Ausziehen, Duschen und trockene Sachen anziehen! Herrlich! Dazu noch einen heißen Kaffee plus Plätzchen und Apfelsine und die Wäsche zum Trocknen aufgehängt.

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