So, nun ist Tag 21 von 42 bis zum Tempel 88 rum. Quasi Halbzeit. Aber ich muss ja von dort aus auch noch mal zwei Tage Wandern, um wieder nach Tokushima zu kommen. Abers bis dahin ist schon noch ein ganzes Stück Zeit.

Der Tag ging wieder wunderschön los. Hatte sich der Wetterbericht geirrt? Es war heftiger Wind mit Spitzen von 80 km/h angesagt. Hatte er nicht! Als ich um 7 Uhr loszog, war der Sturm da. Teilweise musste ich mich regelrecht in den Wind legen, damit ich vorwärts kam.
Da ich heute ein ganzes Stück auf der Straße, auf der ich nach Iburi gewandert bin, zurück musste, wusste ich auch schon, wo ich gegen 8 Uhr meine erste Rast machen würde. Ich hatte gerade meinen heißen Milchkaffee aus dem Automaten geholt und wollte mein Essen auspacken, als es plötzlich zu regnen anfing. Schnell die Regenklamotten ausgepackt und das Frühstück verstaut! Nach 5 Minuten war es vorbei mit dem Regen. Also habe ich mich auf die Bank gesetzt und gefrühstückt. Dann kam kurz die Sonne raus und ich habe überlegt, ob ich die Regensachen wieder ausziehen und verstauen sollte? Ich beschloss, sie anzulassen und als Schutz vor den kalten Wind zu tragen. Gut, dass ich so entschieden habe, denn kurz darauf fing es auch noch an, zu schneien!
Und so ging das den ganzen Tag. Sonne, Regen, Schnee, Sturm! Richtiges Aprilwetter!
Nach 10 Kilometern bog ich dann von der bekannten Strecke ab und es ging ins Ungewisse.

Schlimm war das aber nicht. Die nächsten 15 Kilometer blieb ich nur auf dieser Straße. Da ging auch keine andere Straße ab, so dass Verlaufen heute unmöglich war. Auch auf Autos musste ich nicht aufpassen. Auf den 15 Kilometern habe ich nur 5 Autos gesehen. Davon ist aber nur eines gefahren.
Aufpassen musste ich nur wegen des Windes. Innerorts (war ja nur am Anfang) konnte einem schon mal was von dem herumliegenden Müll um die Ohren fliegen.

Im Wald sind das dann eher Zweige der Zedernbäume und manchmal sogar Äste. Dieser hier ist vielleicht 3 Meter vor mir runter gefallen.






Im Großen und Ganzen war es heute ein wenig monoton. Aber heute habe ich, wie ihr seht, auch Stellen erlebt, an der die Natur noch nicht zubetoniert ist. Und das erfreut doch das Herz!
Dadurch, dass nichts weiter zu sehen und damit zu fotografieren war, ich den Weg nicht verfehlen konnte und auch keine nennenswerten Steigungen waren, kam ich gut voran.
3 Kilometer vor meinem heutigen Tagesziel traf ich bei meiner Mittagspause bei einem kleinen Unterstand einen Herrn aus Kalifornien. Mit ihm habe ich mich ziemlich ausführlich unterhalten, um vor dem schlechten Wetter Schutz zu haben und auch, um Zeit zu verschwenden.


Halb 1 Uhr war ich dann auch schon da. Von den Gastgebern fehlte natürlich jede Spur! So zeitig kommt hier sonst keiner an.
Eigentlich wollte ich woanders übernachten und ich musste diese Unterkunft gezwungenermaßen buchen. Aber ich muss sagen, besser hätte ich es nicht treffen können!

Ganz, ganz liebe Gastgeber, die eine halbe Stunde nach mir eintrudelten, ein wunderschönes Zimmer mit Blick ins Tal und alles tippi-toppi!

Mir wurde gleich die Heizung aufgedreht, das Bad vorbereitet und Tee und Kekse gebracht. Ist doch lieb, oder?