Seiyo

Das war der Blick heute Morgen aus meinem Hotelzimmer. Was will uns dieses Bild sagen? Es ist wieder Schietwedda! Es gießt wieder wie verrückt. Nichtsdestotrotz muss ich wieder los. Es bringt nichts, mal ein zwei Tage zu pausieren und das schlechte Wetter auszusitzen. Mein Zeitplan ist eng und die nächsten Unterkünfte sind gebucht. Also Kapuze hoch und los.

Hier in Japan ist man offenbar solches gewohnt und der Regenschirm ist offensichtlich allgemeines Kulturgut. Vor jedem Geschäft findet man einen Schirmständer, der mehr oder minder gefüllt ist. Jeder, der einen Regenschirm benötigt, nimmt sich diesen und bringt ihn später zurück bzw. stellt ihn an einer anderen Stelle wieder in solch einen Schirmständer. Ich glaube, in Deutschland wäre der immer leer!

Die ersten vier Kilometer des heutigen Tages habe ich wieder mit dem Bus zurückgelegt. Uwajima ist riesig und die Gefahr, sich in der Stadt zu verlaufen ebenso.

Solch tolle Aussichten hatte ich heute. Nach nur 20 Minuten Marsch war ich bereits durch bis auf die Haut. So langsam hat die Tour etwas Masochistisches an sich.

So, wieder ein Tempel abgehakt. Bei dem Mistwetter will man nicht verweilen, geschweige denn, genießen.

Weiter geht’s durch die regennasse Landschaft dem nächsten Tempel entgegen. Vielleicht könnt ihr euch in etwa vorstellen, wie es hier gießt, wenn ihr folgendes Video seht?

Naja, so geht es heute immer weiter. Der nächste Tempel ist ein hübscher, kleiner. Aber, wenn man keine Lust zum Verweilen hat…

Auch hier steht alles unter Wasser. Hier treffe ich eine Dame, die den gleichen Knall wie ich habe und bei diesem Wetter die Strecke läuft. Als sie erfährt, dass ich aus Deutschland bin, fing sie zu Singen an. Was?

Sah ein Knab‘ ein Röslein steh‘n, Röslein auf der Heide!

Dabei bemerkte ich, dass ich da gar nicht mehr so textsicher bin. Deutsche klassische Musik scheint übrigens in Japan sehr populär zu sein. Man kann sie immer wieder im Fernsehen sehen.

Ein Stück später führte mich der Weg mal weg von der Straße und hinein in den Wald. Das Schlechte war nur, es ging steil bergauf. Und es war übelst glatt!

Dann war auch noch an einer Stelle der Berg abgegangen. Glücklicherweise war die Stelle aber schon gesichert und ein Umweg eingerichtet. Richtig! Erst im Schlamm zur Leiter, dann auf dieser nach oben und dann auf der anderen Seite wieder hinunter. Bloß gut, dass das alles mit einem Seil gesichert war! Sonst „Gute Nacht!“.

Für mich war klar, dass ich bei der nächsten Gelegenheit den Naturpfad, der ja dann genau so steil talein gehen sollte, verlassen werde und lieber auf der Straße die Strecke zurücklegen werde.

Bei dem Wetter war ich heute wahrscheinlich besonders schnell unterwegs. Ich war schon halb 1 Uhr bei meiner Unterkunft. Das ist einfach zu zeitig!

Da sich der nächste Tempel in nur zwei Kilometern Entfernung befindet, aber ein wenig abseits der Hauptroute sich steht, bin ich dort noch hin. Das spart mir dann morgen den Umweg.

Dann wieder die zwei Kilometer zurück und ins Ziel eingelaufen.

Da habe ich wieder mal einen absoluten Glücksgriff gemacht! Ich bin der einzige Gast und kann mir das Zimmer aussuchen. Da habe ich mir natürlich das Zimmer mit der schönen Aussicht auf den Garten ausgesucht, sitze jetzt im Schaukelstuhl und schreibe diesen Blog.

Morgen geht es weiter, leider auch mit dem Regen.

Ein Kommentar zu „Seiyo

  1. Na, lieber Henro-san, wann kommst du endlich „auf den Schirm“? Den Stilbruch sieht doch niemand, ist doch eh keiner weiter unterwegs.

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