Sakaide

Letzte Nacht hat es wieder unaufhörlich geregnet. Bloß gut, dass ich nicht in einem Zelt übernachten musste. Allerdings hat so ein Hostel auch Nachteile. Dass man kein Essen serviert bekommt, hatte ich ja schon gesagt. Ich durfte letzte Nacht im Doppelstockbett oben schlafen. Früher hatte man sich das immer gewünscht, aber heute? Ja, und dann muss man sich mit Schnarchern das Zimmer teilen. Ob der Mann unter mir das Gleiche gedacht hat?!?

Gut, als es heute Morgen los ging, war der Regen vorbei und es ging wieder ländlich los.

Für mich war es erstaunlich, wie weit die Gerste hier schon ist.

Heute habe ich beizeiten gespürt, dass ich es gestern wahrscheinlich wieder etwas übertrieben habe. So langsam werde ich japanisch. Ich habe heute ziemlich oft den Zug benutzt. Natürlich muss man von und zu den Bahnstationen immer noch ganz schön Strecke machen, aber ich bin dankbar, wenn ich in der Summe nicht ganz so viele Kilometer laufen muss.

Auch heute ging es weiter mit lauter schönen Tempeln.

Es ist schon komisch. Obwohl jeder anderes Tempo läuft und sich auf verschiedene Art und Weise fortbewegt, trifft man immer wieder die selben Leute. Auch das Mädel aus Tschechien und das Mädel aus den USA (mit chinesischen Wurzeln) habe ich heute wieder getroffen. Beide haben sich echt gefreut, mich noch einmal zu treffen. Ist doch schön für so einen alten Knacker, wie mich!

Und im nächsten Tempel hatte ich das Erlebnis sondergleichen. Osettai ohne Ende. Erst kauft eine ältere Dame im Office ein Bild mit irgendwelchen Schriftzeichen vor Kirschblüten und schenkt es mir. Wieso, weshalb, warum? Keine Ahnung! Dann bekomme ich nach dem Abstempeln meines Pilgerbuches vom Mönch eine kleine Tüte mit Süßigkeiten und einer kleinen Flasche zu Trinken überreicht. Als ich gehen will, ruft er mich nochmals zurück und gibt mir zwei Schmerztabletten. Aber bitte nur eine nehmen! Und als ich aus dem Office rauskomme und gehen will, kommt besagte Dame nochmals zu mir, diesmal mit einer Hand voll Süßigkeiten. Das ist schon fast wie Trail Magic! Auf keinen Fall ist das normal, aber sehr, sehr lieb!

Im nächsten Tempel hat es wieder wunderschön geblüht. Diesmal nicht nur die Kirschen, sondern auch die Blumenbeete. Ich muss gestehen, ich genieße es fast ein bisschen, dass ich nicht mehr so schnell unterwegs bin. Vielleicht sind die Tempel ja auch nur deshalb schöner, weil ich mehr Zeit und diese in Ruhe in ihnen verbringe?“

Und zum Ende des Tages habe ich hier in einem Spa Quartier genommen. Man hatte schon nach mir Ausschau gehalten und ich wurde schon vor dem Eingang in Empfang genommen. Offensichtlich verirrt sich kaum ein Ausländer hierher. Dieses Spa ist schon elend in die Jahre gekommen. Es ist furchtbar verschachtelt und es ist schon eine Aufgabe, sich wie im Labyrinth zu bewegen. Ich hoffe doch mal, dass es mir morgen gelingen wird, den Ausgang zu finden. Mit dem Onsen und dem Speisesaal habe ich es doch auch geschafft!

Ein Kommentar zu „Sakaide

  1. Stell mal dein Licht nicht so unter den Scheffel, du „alter Knacker“. Du bist ein Sympathieträger. So sehe ich das jedenfalls und mit mir wahrscheinlich noch ne`Menge andere Leute. ;)

    Ich drücke die Daumen für gutes Wetter.

    Liebe Grüße

    Sylvia

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