Kozai

Heute war wieder ein Osettai-Tag. Dabei ging er gar nicht so gut los.

Nachdem gestern Abend meine Hüftbeschwerden deutlich besser geworden waren, kam der große Ärger heute morgen mit ganzer Macht zurück. Langsam glaube ich, dass auch die Matratzenlager (Futon) ihren Teil dazu beitragen.

Egal, als ich heute morgen los wollte, fragte mich die Frau von der Rezeption, ob sie vielleicht ein Taxi für mich rufen solle? Nee, will ich nicht. Ich will bloß zum Bahnhof. Na gut, dann wird dich ein Kollege fahren! ??? Wenn das kein Service ist! Das war gleich mal das erste Osettai.

Jedenfalls waren wir so zeitig am Bahnhof, dass ich den Zug vor meinem eigentlich geplanten noch erreichte. Ich konnte zwar im Bahnhof kein Ticket lösen, da der Automat kaputt war, aber das kann man ja beim Schaffner erledigen.

Somit war ich auch sehr zeitig am nächsten Tempel und zwar so zeitig, dass noch niemand im Büro war.

Ich sagte ja schon, früh morgens ist es immer schön. Außer mir nur ein betender Herr und eine ziemlich alte Dame, die das Laub zusammenfegte. Wie sich später herausstellte, war sie die Stempelverteilerin. Ich hatte also wieder einige Zeit, die ich allerdings auch brauchte, mich umzuschauen.

Als es dann viertel 9 Uhr wurde, ging ich dann ins Büro und nach weiteren 10 Minuten kam dann auch die Frau, um ihre „Bürotätigkeit“ aufzunehmen. Das „Büro“ war übrigens in einer Nische eines Jahrhunderte alten Tempels eingerichtet. Mindestens genauso lange ist darin auch nicht aufgeräumt worden. Tja, das Genie überschaut das Chaos.

Und als ich heraus komme, treffe ich doch das Mädel aus Amerika wieder. Nun wird es Zeit, dass ich sie auch mal fotografiere. Sie hat mich mit ihrer alten, analogen Leica-Kamera nämlich schon mehrfach abgelichtet.

Und nun geht es darum, meine Anreise zum Tempel 82 zu realisieren. Ich hätte ja im Prinzip drei Möglichkeiten. Erstens: zu Fuß – laut Google Maps 6,5 Stunden. So wie es aussieht bei mir eher 8 Stunden. Zweitens: öffentliche Verkehrsmittel – 5 Stunden. Drittens: Taxi – 20 Minuten. Da ist doch klar, was ich mache.

Da aber weit und breit kein Taxi zu sehen ist, spreche ich einen Herren an, ob er mir eines telefonisch rufen könnte. Selbst anrufen wird ja nix! Und er ist so nett und tut das auch für mich. Er hätte mich auch gefahren, aber muss zur Arbeit und außerdem hätte er seine tote Katze noch im Auto und diese wolle er mir nicht zumuten. Na, ob das nicht ein bisschen geschwindelt war?

Nach einer Viertelstunde kam das Taxi und es ging dann auch los, als der Fahrer nach Rücksprache mit seiner Zentrale auch die richtige Zieladresse eingegeben hat.

Und wirklich, 20 Minuten später waren wir oben auf dem Berg und ich am Ziel. Erst einmal ging es steile Treppenstufen hinab um daran anschließend noch steiler und noch höher hinauf zu gehen.

Auch hier war ich ziemlich allein. Nur drei Frauen waren noch da. Hier war ich allerdings recht schnell fertig, alles anzuschauen.

Dann ging’s wieder runter in die Stadt. Eigentlich hatte ich die Idee, hier oben jemanden anzusprechen, ob er mich mit seinem Auto den Berg hinunter nehmen könnte. Bergab mit Hüftbeschwerden ist wie Engelschor, bloß disharmonisch! Bei den Frauen brauchte ich nicht fragen. Da ist das Auto schon voll. Das Taxi war weg. Mein Fehler! Also 6 Kilometer den Berg hinab laufen. So steht es im Pilger-Routenplaner. Der geht allerdings davon aus, dass ich auch wieder sehr steile Abschnitte marschiere. Nee, dass wird nichts. Dann lieber Straße. Dann plötzlich kam, wer weiß woher, ein Taxi und hielt an. Ob ich nicht das Taxi nehmen wolle? Nee, da ist der Grundpreis höher als der gesamte Fahrpreis. Dann fuhr die Frau mit ihrem Taxi davon. Aber nicht weit. Dann hielt sie wieder an. Wohin ich denn wolle? Na, nur den Berg runter, auf gerader Strecke klappt das Laufen deutlich besser. Sie hatte wohl mitbekommen, dass meine Lauferei etwas komisch aussah. Nun, sagte sie, ich solle einsteigen, sie nimmt mich mit runter in die Stadt und das Ganze wäre Osettai! Da freut man sich doch und fährt gerne mit.

Unten angekommen, hielt sie direkt vor einem Waschsalon (Stinke ich wirklich so schlimm?), vor dem zwei Bänke und einer von den berühmten Getränkeautomaten standen. Das tat gut!

Ich habe dann erst mal ein kleines Frühstück gemacht, als wieder eine ältere Frau auf mich zu kam. Es sei doch heute so heiß (Habe ich gar nicht bemerkt.) und sie wolle mir etwas zu Trinken kaufen, was sie dann auch tat. Osettai Nr.3!

Da ich entgegen aller meiner Erwartungen gut in der Zeit lag und Einchecken auch erst wieder ab 16 Uhr möglich sein sollte, kam mir die Idee, vielleicht doch meine Wäsche gleich hier zu waschen.

Diese Waschsalons hier sind sehr kundenfreundlich ausgestattet. Weiche Stühle, Tische, Steckdosen zum Handyladen oder Laptop anschließen, Schreibpapier und Stifte, Getränke und eine Toilette. Fast ein Platz zum Wohlfühlen, wenn nicht laufend irgendwelche Werbung laufen würde. Als ich so rumsaß und im Handy Nachrichten las, kam eine Angestellte um nach dem Rechten zu sehen und ein wenig sauber zu machen und frische Blumen hinzustellen. Dann verschwand sie kurz und kam mit einer Apfelsine für mich zurück. Osettai!

Beim Internetstudium verriet mir der Wetterbericht, dass es in 40 Minuten mit Regnen anfangen sollte. Tja, Pech gehabt! Die Wäsche braucht noch ein bisschen, bis sie fertig ist. Gehzeit bis zur Unterkunft 38 Minuten.

Ich gab Gas, so gut ich konnte. 5 Minuten vor Erreichen des Zieles erwischte es mich dann doch. Es schüttete wieder wie verrückt! Glücklicherweise war da gerade mal wieder eine überdachte Parkmöglichkeit, so dass ich mich die nächsten 20 Minuten unterstellen konnte.

Als der Regen nachlässt, mache ich mich wieder auf den Weg und erreiche mein Ziel auch ganz schnell.

In der Unterkunft wurde mir dann leider mitgeteilt, dass es heute leider kein Abendessen gibt. In der Nähe (Daran bin ich vorbeigelaufen.) gibt es ein Chinarestaurant und da würde ich bestimmt etwas finden. Okay! Das Dumme ist nur, als ich dort zum Abendessen einlaufen will, stellt sich heraus, dass der Laden bis zum 10. April geschlossen hat.

Und nun? Mit knurrendem Magen ins Bett? Bis zum nächsten Supermarkt ist es ewig weit. Das nächste Restaurant ist auch nicht näher! Das bekommt mein Vermieter mit und fährt mich kurzerhand in den nächsten Supermarkt. Osettai! Ich kann einkaufen und der Abend ist gerettet!

Prost! Kampai! Das Zeug schmeckt richtig gut!

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