Ja, hier war ich schon einmal, auch wenn es schon eine Weile her ist.
Am Vormittag machte ich mich auf den Weg zur großen Bahnstation von Tokushima, kaufte eine Fahrkarte und wartete noch etwa 20 Minuten, bis der Zug losfahren sollte.

Das tat er natürlich auch und sowieso äußerst pünktlich. Nach etwa einer Stunde Zugfahrt, bei der der Zug auch an zwei Orten anhielt, in denen ich schon war, kam ich gegen Mittag in Tokushima an. Tja, was kann man in Tokushima machen? Da ist nichts weiter als Einkaufen (will ich nicht) oder mit der Seilbahn auf den Hausberg. Danach steht mir nun auch nicht unbedingt der Sinn.
Also vielleicht doch nochmal zum Tempel 1 um die Runde von Shikoku zu schließen? Genau! Das mache ich. Ticket gekauft und 4 Minuten später ging’s schon wieder los nach Bandō.

Bandō gehört zur Stadt Naruto und die ist in diesem Gebiet ziemlich stark deutsch beeinflusst worden. Sieht man vielleicht ein wenig am Bahnhofsgebäude?! Das rührt daher, dass während des ersten Weltkrieges deutsche Soldaten aus Tsingtao (ehemalige deutsche Kolonie in China) in Gefangenschaft waren. Da zwischen den Soldaten und der Bevölkerung ein gutes Verhältnis bestand (Fliehen war ja eh nicht möglich!) konnte sich ein wenig deutsche Lebensweise hier breitmachen. An manchen Häusern und alten Straßenlaternen kann man dies heute immer noch erkennen.
In Bandō angekommen, kann man den Weg zum Tempel 1 überhaupt nicht verfehlen!

Vom Bahnhof aus bis zum Tempel und weiter bis zum Tempel 2 zieht sich ein breites grünes Band auf der Straße. Dazu die Wegweiser. Verlaufen ist also unmöglich!

Ja, es ist schon ein besonderes Gefühl, hier nach der Tour noch einmal anzukommen. Und es ist auch ein ganz seltsames Gefühl, Leute zu sehen, die sich für die Pilgertour ausstatten und blütenweiße und bügelfaltenbehaftete Jacken und Westen anziehen. Genau so habe ich das ja auch vor ein paar Wochen gemacht! Hier im Tempelladen, der zugleich auch die Stempelstelle ist, traf ich heute einen Mann, der den Weg heute zum ersten Mal starten wird. Das ansich ist ja nichts besonderes, nur dass der Herr bereits 80(!) Jahre alt ist, ist schon sehr bemerkenswert!

Das ist er nun, der letzte Stempel im Pilgerbuch. Die alte Nonne, die ihn mir eintrug, wollte so einiges von mir wissen. Zeit war genug, da keine weiteren Pilger da waren, die „versorgt“ werden mussten. Mit Hilfe des Translators kamen wir auch ganz gut ins „Gespräch“. Als es Zeit zum Abschiednehmen war, nahm die alte Frau meine linke Hand und schob mir ein Holzperlenarmband drüber. Einfach so! Das berührt ungemein!
Ja, dann mit der Bahn zurück nach Tokushima. Kurzes Kaffeetrinken am Bahnhof. Dann weiter zum Hotel, welches sich heute wirklich in Bahnhofsnähe befindet. Dazu musste ich am Tokushima Welcome Center vorbei und wurde auch prompt hereingebeten. Hier bekam ich nun noch ein kleines inoffizielles Zertifikat und wurde für die Facebookseite des Centers fotografiert.
Fragen meinerseits? Na klar! Wie komme ich morgen am besten zum Flughafen? Ganz einfach: Mit dem Bus zur Fähre, dann übersetzen nach Wakayama, weiter mit dem Zug in die Innenstadt und von dort mit dem Expressbus zum Flughafen. Alles klar?!? Das wäre die schnellste und kostengünstigste Variante. Gefällt mir aber irgendwie nicht! Zur Zeit herrscht sehr starker Wind und ich weiß, was mein Magen morgen während der dreistündigen Überfahrt macht!
Dann kam die Ansage einer Mitarbeiterin, dass diese Woche eine Straßensperre auf dem Highway zum Flughafen sei und die Expressbusse nicht fahren. Au Mann! Das wäre ja beinahe lustig geworden!
Geplant ist nun folgendes: von Tokushima mit dem Bus nach Osaka OCAT (zentraler Busbahnhof), dann zum „richtigen“ Bahnhof laufen und mit dem Zug zum Flughafen fahren.
Wird schon klappen! Auf jeden Fall werde ich mehr als zeitig losfahren, selbst auf die „Gefahr“ hin, viel zu zeitig am Flughafen zu sein.
Apropos klappen: Mit meinen Schuhen hat, trotz Befürchtung auf halber Strecke, alles geklappt. Das Profil oder jetzt besser die Sohle hat durchgehalten. Von Profil kann man nicht mehr wirklich sprechen. Eignet sich aber hervorragend zur Diagnostik beim Orthopäden!

Die Schnürsenkel sind noch wie neu!