Sakamoto

Au Mann, habe ich heute gut geschlafen! So ein schönes, warmes Bett hatte ich schon ein paar Tage nicht mehr. Dabei sah das PAQ Hostel gar nicht so toll aus! Die Bewertungen im Internet waren aber sehr positiv.

Viertel 7 klingelte der Wecker, da ich spätestens 7 Uhr los wollte. Meine Tour sollten heute 32 Kilometer werden. Da ist es besser, man geht zeitig los! Spät wird es von ganz alleine!

Wer aber denkt, dass 7 Uhr in Japan schon mächtig Betrieb ist, hat sich ganz schön getäuscht. Ich war so ziemlich der einzige auf der Straße. Auch kaum ein Auto, nix! Auch die Einkaufsmärkte und Cafés hatten alle noch geschlossen.

Erst gegen halb 8 kamen die ersten Schulkinder mit ihren edlen Schuluniformen auf dem Fahrrad daher. Dreiviertel 8 wurde es dann schlagartig richtig voll auf den Straßen. Echte Rush Hour! Da ich die ganze Zeit an einer der Ein- bzw. Ausfallstraßen von Tokushima lief, konnte ich die Blechlawine gut sehen. Da machte das Laufen der 8 Kilometer bis zum Stadtrand nicht wirklich Spaß. Wobei: Irgendwie fand ich es doch ganz nett, dass an einer Kreuzung weit draußen, drei Herren mit Uniform und großen Fahnen standen, sich immer wieder verbeugten und den ankommenden Autofahrern zuwinkten.

Insgesamt war heute viel „an der Straße laufen“ angesagt. Das ist ziemlich anstrengend und langweilig zugleich. Ein tolles Schild habe ich entdeckt, das die Höhe einer Brücke mit 3 Meter über dem Meeresspiegel anzeigte.

Ach ja, und wenn der kleine Hunger oder Durst kommt, kann man sofort Abhilfe schaffen. An manchen Automaten gibt es sogar Heißgetränke!

Tempel 18 war dann nach 2 1/2 Stunden erreicht.

Danach ging es endlich mal wieder durch einen „Wald“.

Wahnsinn, wie viele Vogelstimmen hier zu hören waren! Zu sehen, war aber nicht einer! Danach ging es wieder zwischen Gärten und Feldern weiter. Dann wieder durch Stadt und an der Straße entlang, hin zu Tempel 19.

Der war mal wieder ein Schmuckstück. Als ich hier gegen 11 Uhr wieder startete, kam der kleine Hunger und ich leistete mir ein paar Bananen zu Mittag.

Vorher habe ich mir aber noch einen Rastplatz ausgesucht, den Getränkeautomaten gefüttert und Apfelschorle ausgesucht. Nie wieder! Das Getränk roch wie Nitroverdünnung und war übelst süß. Cola ist dagegen das reinste Mineralwasser.

Dann ging es weiter Richtung Katsuura. Und als ich an einem Orangenbauernhof vorbei wollte, gab es wieder einfach so, 3 Apfelsinen geschenkt.

Durch einen kleinen Park bin ich heute auch gelaufen. Das habe ich mir gegönnt. Es war erst 13 Uhr und ich war vom Tagesziel vielleicht noch 1,5 Kilometer entfernt.

So eine tolle Kirschblüte kann man sich doch nicht entgehen lassen! Dabei soll der Höhepunkt der Kirschblüte erst noch kommen!

Gegen halb 2 Uhr war ich dann schon am vereinbarten Abholort für meine heutige Übernachtung. Hier befindet sich auch die Stelle des (für uns natürlich nicht) berühmten Hina-Puppen Festivals. Das ist eine Sammlung von mehr als 30 000 Puppen!

Das ist schon verrückt, wie viele Varianten es gibt, eine Puppe herzustellen. Ob‘s einem gefällt, ist die große Frage.

Nachdem ich den Officer gebeten hatte, meine Herberge anzurufen, hatte ich noch etwas Zeit, bis mein „Taxi“ kommen sollte. Also wartete ich, vor der Puppenausstellung und bekam prompt eine Bestrafung.

Jedenfalls hat das Google so übersetzt. Da kam einfach ein Mann auf mich zu, drückte mir die Softdrinkdose in die Hand, bedankte (!) sich bei mir und verschwand. Ist das lieb?!?

Dann kam das Auto und holte mich ab. Zusätzlich waren noch ein Japaner, der mich am Morgen schon mal belehrt hatte (Ich hatte ein Tempeltor ignoriert.) und ein junger Mann aus Frankreich an Bord.

Kurzer Stopp noch an einem Shinto-Schrein und dann ab zu meiner Unterkunft, der ehemaligen Grundschule des Ortes.

Das wusste ich bereits im Vorfeld, dass ich in einer Schule schlafen würde, hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich ein so schönes Zimmer beziehen könnte.

Bevor ich aber überhaupt erst einmal in die Schule kam, musste ich erst einmal meinen Pilgerstab reinigen. Dann werden gleich am Eingang die Schuhe ausgezogen und man bekommt Pantoffeln. Diese werden dann am Zimmereingang auch wieder ausgezogen und man betritt sein Zimmer in Strümpfen. Und wenn man die gemeinsame Toilette benutzt…

Also alles sehr reinlich!

Die Schule besitzt auch ein Bad, besser gesagt, zwei! Denn Damen und Herren baden getrennt.

Man kommt mit seinem Kimono, der übrigens sehr bequem ist, und geht rein in einen Vorraum. Dort wird sich nackig gemacht und betritt das eigentliche Bad.

Da stehen dann einige Hocker, auf die man sich setzt und wäscht. Vorsicht! Der Nachbar darf nichts abbekommen! Dann geht es hinein ins heiße Becken. Das Wasser hat bestimmt 40 Grad. Haare dürfen nicht ins Wasser kommen! Nun mach das mal, als Bartträger!

Wenn man dann richtig schön durchgewärmt und eingeweicht ist, geht’s wieder raus zum Waschen und Fönen, denn nur gewaschene Kinder bekommen ein Abendessen.

Das sieht wieder sehr exotisch aus und den Fisch mit den Stäbchen zu zerlegen, ist schon eine Wissenschaft. Ich hab’s mit den Fingern gemacht und keiner hat es mir Übel genommen. Ansonsten weiß ich wieder nicht, was ich gegessen habe. Gut waren die frittierten Sachen. Ansonsten eher naja! Richtig satt bin ich nicht, aber die 0,7 Liter Bier hatten bestimmt genug Kalorien.

Ein Kommentar zu „Sakamoto

  1. Das klingt aus der Ferne (will mal nicht von Normalität sprechen) wieder alles spannend! Viel Spaß weiterhin und ich freue mich, zumindest per Buchstaben mit am Ball zu sein!! Viele Grüße aus Zeulenroda

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu Henryk Antwort abbrechen