Iburi

Der heutige Morgen begann mal wieder mit einer Überraschung. Als ich meine Regenhose zusammenpacken wollte, rieselte etwas aus ihr. Feiner weißer Staub. Woher der kam? Beim Untersuchen des guten Stückes musste ich feststellen, dass sich die Regenstopperschicht auflöst. Stellt sich die Frage, warte ich damit bis nach der Reise (Vielleicht schützt sie doch noch ein wenig vor Regen?) oder führe ich gleich eine Gewichtsreduzierung durch? Nun, ich habe mich erst einmal für Variante eins entschieden. Wenn sie beim nächsten Regen versagt, bleibt sie in Japan.

Ansonsten ging der Tag ganz gut los. Schönes Wetter, schöne Aussicht aus dem Speiseraum und ein heißer Kaffee! Nur das Frühstück ließ auf sich warten. Eigentlich wollte ich zeitig los, denn mein Plan war es, heute 40 Kilometer zu laufen um wieder in den geplanten Rhythmus zu kommen, aus dem ich unterkunftsbedingt gekommen war. Mein lieber Freund Kanji-san redete auf mich ein, dies nicht zu tun, sondern mit ihm zusammen die ersten 8 Kilometer (beim Nachmessen in Google Maps waren es 12!) mit dem Zug zu fahren. 32 Kilometer laufen würde immer noch reichen.

Hier ist Bahnfahren noch ein wenig wie früher. Da gibt es noch einen richtigen Schaffner, bei dem man sein Ticket kaufen kann. Okay, es gab kein Ticket und demzufolge wurde auch nichts gelocht. Aber bezahlt werden, musste schon.

Dann zeigte mir Kanji-san einen Park, den ich unbedingt sehen müsste. Wir verabschiedeten uns und jeder ging seiner Wege.

Ich ging erst einmal Richtung Strand. Ich wollte den Surfern ein wenig zuschauen und vor allem wollte ich nun endlich trockene Strümpfe anziehen. Die waren vom gestrigen Regen noch immer nicht getrocknet. Tja, und dann hatten wir es eilig nach dem Frühstück, nicht dass der Zug ohne uns losfuhr, und ich bin barfuß in die auch noch feuchten Schuhe gestiegen.

Also, richtig angezogen und den Park inspiziert. Aber das hätte man sich auch schenken können. Nur die Sitzgelegenheiten fand ich ganz niedlich.

Es dauerte gar nicht lange, als ich Kanji-san wieder eingeholt hatte. Sehr schnell ist er eigentlich nicht. Also wieder großes Verabschieden, denn er will heute zurück nach Hause nach Osaka. Ich wieder los und vorne weg. Folge der App und mache mal nicht viele Bilder, und traue meinen Augen nicht, dass er plötzlich wieder vor mir auftaucht. Was kennt der denn für Schleichwege? So geht das Ritual bestimmt 5 – 6 mal, bis wir uns dann wirklich nach einem kurzen Stopp bei Lawsons an einer großen Brücke endgültig verabschieden.

Ich nehme mal an, dass er dann vom Henro abgebogen ist und zu einer Bahnstation in Richtung Heimat gegangen ist.

Ich bin nun allein weiter und bin mal lieber neben der Straße gelaufen. Als ich auf den Nebenwegen unterwegs war, war der Boden vom Regen des gestrigen Tages sehr schlammig.

Und heute war auch wieder eine Tunneldurchquerung angesagt.

1,6 Kilometer unter einem Berg hindurch bin ich noch nie gelaufen. Wenn da nicht ab und zu ein Schild auftauchen würde, wüsste man gar nicht, wie weit man eigentlich gelaufen ist. Man hat absolut kein Gefühl für Entfernung.

Wieder draußen, genießt man doch wieder das Tageslicht und die blühenden Büsche.

Heute habe ich ein paar mal große Flüsse überqueren müssen.

Und dann war wieder das Meer da, nachdem ich mich bis Mittag von diesem entfernt hatte.

Die Strände sind sehr verschieden. Mal sind es erkaltete Lavafelsen, mal geröllig mit schwarzen Sand und manchmal feinster Ostseesand.

An Letzterem befindet sich auch ein Naturschutzgebiet, welches zu bestimmten Zeiten nicht betreten werden darf. Dann bleibt der Strand den Schildkröten vorbehalten, die dort ihre Eier ablegen.

Und so sieht es kurz vor meiner heutigen Unterkunft aus, in der ich heute und morgen übernachten werde. Von hier aus geht es nur noch 13 Kilometer südwärts bis zum Kap Ashizuri nebst Tempel 38 und zurück. Dann habe ich den südlichsten Punkt Shikokus erreicht und bin schon ein wenig auf dem Rückweg.

Ein Kommentar zu „Iburi

  1. Hallo, Henro-san Jörg, da hast du ja schon mächtig Strecke gemacht, große Hochachtung, und das mit 65.

    Wir wünschen dir für die nächsten 50 Tempel, oder besser 51 mit dem morgigen, netteres Wetter und nahrhaftere Speisen, damit du bei guter Laune bleibst und nicht vom Fleisch fällst.

    Liebe Grüße von Carmen und Reiner

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