Seijo

1. April! Na hoffentlich werde ich nicht veralbert! Ich glaube, das In-den-Aprilschicken wird wahrscheinlich nur in Deutschland praktiziert.

Und trotzdem wurde es heute ein besonderer Tag für mich. Vielleicht, nein, bestimmt, ein bisschen wie ein Glückstag für mich.

Eigentlich ging es früh wieder los, wie immer in den vergangenen Tagen. Schmerzen bei den ersten Schritten, dann halbwegs Nachlassen. Ich bin also halb 7 Uhr los und zum nächsten Tempel hin. Ich brauche ja jetzt immer mehr Zeit als gewöhnlich. Da war ich aber zu früh dran. Normalerweise öffnet das Tempelbüro um 7 Uhr. Dieses aber nicht. Hier wird erst um 8 Uhr geöffnet. Also noch 15 Minuten warten.

So wie mir geht es auch einem japanischen Ehepaar. Wir kommen ins Gespräch und der Mann erzählt mir, dass er jetzt mit 52 Jahren in den Ruhestand gegangen ist und er auch die 88 Tempel (natürlich mit dem Auto) besuchen will. Aber so, wie ich laufen würde, käme ich nie und nimmer zum Tempel 60 die 900 Meter hinauf, geschweige denn runter. Tempel 60 sei sowieso ihre nächste Station und ich könnte doch bei ihnen mitfahren. Sie würden mich auch gleich wieder mit runter nehmen und beim Tempel 61 absetzen.

Ich hätte die beiden küssen können! Ich hatte im Vorfeld schon überlegt, ob ich ein Taxi nehmen sollte. Wenigstens hochwärts. Aber schon allein das wäre exorbitant teuer geworden. Manchmal muss der Mensch auch Glück haben!

Der Tempel liegt wunderschön da oben mitten im Wald. Schon die Anfahrt über die engen Serpentinen war eine Schau für sich. Und dann steigst du aus dem Auto aus und bist mit den wenigen Wolken auf gleicher Höhe! Von der Aussicht wollen wir gar nicht erst reden!

Dann ging es wieder hinab. Der Frau meines Chauffeurs ging es raufwärts schon nicht gut, jetzt bergab gleich gar nicht. Sie hatte schreckliche Angst, dass irgendetwas schreckliches passieren könnte. War ja aber nicht!

Unten wieder angekommen, wurde das Auto gleich neben dem Tempel geparkt. Und dieser Tempel ist schon ein ganz besonderer!

Ganz modern! Als ich reinschaute war aber nichts weiter zu sehen. Jedenfalls unten. Aber da gibt es auch noch eine Treppe. Und die bin ich hoch gestiegen und da hat es mich fast hingesetzt. Keine Kunst, da ich ja die Schuhe ausziehen muss. Ich komme dann in einen riesigen Saal, der mit Teppich ausgelegt ist und sehe das!

Eine gute Bekannte würde jetzt „Boah!“ sagen. Das ist doch spektakulär, oder? Die Figur selbst ist bestimmt drei Meter hoch. Ja, so kennt man die buddhistischen Klöster im Himalaya.

Dann kurzes Verabschieden und ich überlege, wie weiter mit mir.

Eigentlich bin ich schon bis auf zwei Stunden am Tagesziel von morgen dran. Sollte ich nachfragen lassen, ob ich schon heute kommen könnte und zwei Übernachtungen machen könnte? Dann könnte ich mir morgen frei nehmen , mal ausruhen und das wäre bei meinem Zustand vielleicht besser. Dann sagt mir aber mein Gewissen, du hast eine Unterkunft gebucht, die haben extra Essen für mich eingekauft und können die Einnahmen gut gebrauchen.

Also gut! Das Gewissen hat gesiegt und ich laufe also zwei Stunden quasi zurück.

Dann wird es Mittag und der Hunger kommt. Glücklicherweise ist da auch gerade ein Einkaufszentrum. Und nicht nur das!

Da gibt es eine Physiopraxis! Es ist kurz vor halb 1 Uhr und kurz vor der Mittagspause. Dennoch gehe ich rein, schildere meine Beschwerden und frage, ob mir geholfen werden kann? Ja, um 15 Uhr könne ich wiederkommen. Aber was mache ich jetzt 2 1/2 Stunden hier? Ich habe ein bisschen gebettelt und man hat sich erweichen lassen obwohl ich ja nicht gerade sehr sauber war.

Das war aber völlig uninteressant. Ich musste auch fast nichts ausziehen. Handtuch über mich und dann ging’s los. Huhu, da waren Punkte nahe der Lendenwirbelsäule ganz schön druckschmerzhaft! Aber das zierliche Mädel kannte keine Gnade und wusste genau, wo sie hinlangen musste. Und das war gut so. Nach 20 Minuten konnte ich wieder von der Liege runter und was soll ich sagen, alles deutlich besser! Die 4000 Yen (25 Euro) waren gut investiert!

Hinterher hatten wir noch ein bisschen Spaß und einer der Herren hatte sogar Freude als sie erfuhren, dass ich aus Deutschland komme und dass Bayern München mal wieder gepatzt hat. Er sei eher für Leibsigg! Komisch, ich kenne nicht einen japanischen Fußballklub!

Nach meinem Besuch in der Physio gönnte ich mir ein leckeres Sushi zu Mittag. Ist deutlich preiswerter als bei uns! Danach schwebte ich fast zu meiner heutigen Unterkunft, nahm wieder ein schönes heißes Bad, 47 Grad waren eingestellt, und bin gespannt, wie es mir morgen geht. Ich kenne ja jetzt den Weg dorthin und muss auch morgen wieder dran vorbei.

3 Kommentare zu „Seijo

  1. Guten Morgen lieber Jörg, schön, dass du Hilfe bekommen hast. Ich habe mir Sorgen gemacht.
    Ganz liebe Grüße von deiner Andrea

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    1. Ja, bin ich auch. Das sei auch die Kultur des Osettai, also der Hilfe und Unterstützung, die man den Pilgern gibt.

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