Der Tag begann, wie er gestern aufgehört hat. Wasser kam vom Himmel gefallen. Glücklicherweise hat das aber gegen halb 7 Uhr aufgehört und die Wetterapp war der Meinung, dass damit für heute Schluss sein sollte. Nun denn!

Trüber Tag und gute Laune? Passt das zusammen? Als ich vor die Haustür trat, wurde ich mit der Realität konfrontiert. Ich konnte meinen Atem sehen! Huah, ganz schön frisch! Die Wetterapp zeigt 4 Grad an! Dann doch noch mal schnell rein ins Haus und das Fleece durch die Daunenjacke ersetzt.
Los geht die Tour! Im Vorfeld hatte ich überlegt, welchen Weg ich heute gehen werde.? Der Originalweg zeigt 32 Kilometer (und das sind bestimmt wieder mehr!), Google kennt einen Weg mit 27 Kilometern. Beide führen auf Landstraßen entlang! Da ist doch klar, wofür ich mich entschieden habe.

So oder so, ich muss an der Kirche vorbei, die laut Google erst um 9 Uhr geöffnet sein sollte. Es ist aber erst 8 Uhr! Ich bin einfach mal ans Tor gegangen und habe die Klinke herunter gedrückt. Oh Wunder! Nicht verschlossen!

Es liefen bereits Vorbereitungen für die 9 Uhr-Messe. Dann kam auch noch der Pfarrer hinzu und wir vertieften uns in ein Gespräch. Stempel? Auch hier Fehlanzeige! Ja, müsste man eigentlich mal bestellen. Aber ist der so wichtig?

Dann halb 9 Uhr noch auf dem gegenüberliegenden Stadtmarkt mit dem Rathaus nach einem Geocache geschaut, der hier magnetischerweise versteckt sein soll. Leider nicht gefunden, so dass auch dieses Highlight ad absurdum geführt wurde. Dann eben nicht!
Dann ging es auf die Landstraße, die zu Beginn erst einmal der Zubringer zur Autobahn ist. Was das für ein Verkehr ist, brauche ich nicht zu erklären. Glücklicherweise gibt es hier noch einen Fuß/Radweg. Auf der anderen Seite der Autobahn wurde es deutlich weniger Verkehr, wobei noch immer viele Fahrzeuge und vor allem LKWs unterwegs waren.
Und wie man sieht, sind die Brummifahrer überaus rücksichtsvoll. Sie umfahren mich meistens in großen Abstand. Just for savety. Aber der nachfolgende Fahrtwind und der Sprühnebel der nassen Straße erwischt einen doch.
Ich laufe, laufe, laufe. Keine Möglichkeit, irgendwo mal eine kurze Trinkpause zu machen, geschweige denn, sich irgendwo mal in die Büsche zu schleichen.
Und als ich auf meine Uhr schaue, zeigt sie mir an, dass sie geladen werden muss. Wiebitte? Die hing doch die ganze Nacht am Ladegerät!
Ich getraue mir, ehrlich gesagt, nicht bei diesem Straßenverkehr den Rucksack abzusetzen und die Uhr an die Powerbank zu hängen.
Da kam mir der Golfplatz des Tages gerade wie gerufen. Mal kurz rein, ins Restaurant zum Aufwärmen, einen heißen Kaffee trinken, Uhr aufladen und was man halt sonst noch so in einem Restaurant macht. Aber nein, alles leer! Und es kommt auch niemand, der sich um mich kümmern würde. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht mit einem entsprechenden Auto vorgefahren bin und bloß mit einem Rucksack auf dem Rücken daherkomme?
Egal! Wenn sie mein Geld nicht brauchen?! Und dann kam die Überraschung! Als ich die Powerbank anschloss, zeigte mir die Uhr, dass der Akku zu 92 Prozent geladen sei. Hallo?! Ich startete wieder die Navigation mit den Abbiegehinweisen und alles war gut. Jedenfalls 10 Minuten. Dann wieder die Meldung mit dem Strombedarf. Ich glaube, der Akku ist leider nicht mehr der beste und wartet auf Erneuerung.
Nun gut, ohne die Uhr komme ich auch so über die Runden, aber das die Birgitta-Ways App auch noch spinnt ist schon deutlich ärgerlicher. Da habe ich nämlich den gesamten Streckenverlauf und die Unterkünfte. Das ist schon fataler!
Aber ich habe in böser Vorahnung ein wenig vorgebaut und die Strecken bei Komoot hinterlegt. Das funktioniert noch?! Die einzelnen Übernachtungsplätze und -Termine habe ich auch noch mal separat abgespeichert. Hauptsache das Handy geht nicht kaputt! Vielleicht sollte ich die ganze Liste vorsichtshalber noch mal analog sichern? Mein Gott, wie haben wir das nur früher gemacht, als es noch keine Smartphones gab?!
Nun ja, dann ging der Straßenmarsch weiter. Lustige Schilder säumten meinen Weg.

Ob die Elche wissen, in welchem Bereich sie über die Landstraße laufen (dürfen)?
Es geht weiter, weiter, immer weiter. Keine Bank, kein Buswartehäuschen mit einer Bank, wo man mal ein wenig ausruhen könnte.

So Bänke sind ja bei uns ganz gerne mal auf Parkplätzen. Aber hier – Fehlanzeige! Und einfach mal die Straße runter und auf einen Stein gesetzt, geht auch nicht. Erstens gibt es keine Steine und zweitens ist unterhalb der Fahrbahn alles sumpfig.
Dann endlich nach 24 Kilometern biegt die Straße ab, die mich zu meiner heutigen Unterkunft bringen soll. Noch 2,5 Kilometer Waldweg waren die reinste Wohltat für Füße und Gelenke.
Tja, aber als ich ankomme, ist da alles verriegelt und verschlossen. Dafür ein großes Schild: Restaurant geschlossen. Insgesamt macht alles einen eher rumpeligen Eindruck.
Das darf ja wohl nicht wahr sein! Haben die mich vergessen? Irgendwo finde ich eine Telefonnummer und rufe an. Keiner geht ran. Was nun? Erst mal hinsetzen und ausruhen. Aber es wird ganz schnell kalt. Die Sachen sind feucht vom Schweiß und es sind nur 6 Grad. Nach 5 Minuten bekomme dann ich einen Anruf von genau der gleichen Nummer. Man hatte um die Zeit noch nicht mit mir gerechnet. Und ja, ich bin der einzige Gast. Deshalb ist alles zu. Und zu mir würde gleich jemand kommen, der mir aufschließt und alles zeigt. Nun, ich bin gespannt!
5 Minuten später fährt ein Auto vor, der Fahrer begrüßt mich freundlich und fragt mich, was ich zu Abends essen möchte. Es gäbe ein 3-Gänge-Menü mit Wild für über 400 Kronen oder Schnitzel für 185. Ich bin geizig!
Dann schließt er mir das Zimmer auf und ich bin überrascht und muss meine schlechte Meinung vom Timjan Restaurang + Café ganz schnell revidieren.

Nun nur noch ganz schnell raus aus den schweißnassen Klamotten und einen heißen Tee gemacht. Dazu gibt’s natürlich die mitgebrachten Gifflar.