Köphult – Traryd

Wieder ist ein Tag vergangen und wieder begann er mit strahlend blauem Himmel.

Aber heute Morgen wollte ich ziemlich schnell weg von meiner Unterkunft. Sie hatte schon bei einer ersten Inaugenscheinnahme nicht gerade den besten Eindruck hinterlassen. Alles ein bisschen heruntergekommen und richtig sauber sieht auch anders aus. Warmes Wasser war auch nicht! Somit konnte ich auch nicht aufwaschen. Duschen wird sowieso überbewertet! Ist nicht gut für den pH-Wert der Haut und beim Rucksachtragen wird es auch beizeiten wund.

Komisch! Gut geschlafen habe ich trotz alledem. Da auch keine Bettwäsche vorhanden, dafür aber mächtig viele Flecken auf den Matratzen und der Bettdecke waren, habe ich mal lieber im mitgebrachten Schlafsack geschlafen.

Am Morgen dann, als ich aus meinem Bett auf die andere Seite schaute, entdeckte ich unter dem Nachbarbett außer jeder Menge Staub noch eine alte Socke.

Also nee! Der Entschluss war schnell gefasst. Hier wollte ich kein Frühstück machen! Also Waschen und Zähneputzen in Bestzeit und ab zum Bus. Im Nachbarort Markaryd, so hatte ich herausgefunden, gibt es einen Bäckerei mit Verzehrraum. Das muss es werden, sonst fängt der Tag nicht ordentlich an.

An der Bushaltestelle dann der erste Schreck. Die Skånetrafik-App funktioniert nicht! Ich fahre zwar mit einem Bus dieser Gesellschaft, da ich aber unbemerkt in eine andere Provinz gekommen bin, brauche ich nun auch eine andere App. Und in 5 Minuten kommt der Bus!

Runterladen, installieren, Kreditkarte freischalten(!) und bezahlen- hat alles geklappt! 2 Minuten später war der Bus da!

Aufatmen! Dann im Bäckerladen die nächste Überraschung. Sorry, wir nehmen nur Bargeld. Ich hatte mich doch so auf das Frühstück gefreut! Glücklicherweise gab es aber in 200 Meter Entfernung einen Bankomat. Der akzeptierte meine Karte und auch die PIN, und ich habe für 20 Euro schwedisches Geld bekommen.

Bei solch einem leckeren Angebot fiel es schon schwer, die richtige Auswahl zu treffen.

Einfach herrlich! Die Rückständigkeit des Geschäftes hatte aber auch einen Vorteil: der Umstand „all you can drink“ für Kaffee galt noch. Eine Tasse bezahlen und soviel trinken, wie man will. Dieses Ritual findet man leider nur noch selten in Skandinavien.

Gut gesättigt und frisch gestärkt geht es aus dem Ort.

Ich traue meinen Augen kaum. Die Preise an der Tankstelle sind ja günstiger als zuhause. Das im teuren Schweden! Die haben doch bestimmt keinen Tankrabatt!

Und dann wurde es wunderschön.

Erst der See, an dem Markaryd liegt und dann der Weg selbst. Es gibt sogar Ausschilderungen des Pilgerweges. Gefühlt alle 500 Meter ist eine Wegmarkierung und vor und nach Wanderwegabbiegungen sowieso.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, hier in der neuen Provinz Kronoberg sah alles ordentlicher und schöner aus. Schon ein wenig, wie im Werbeprospekt – als es den noch gab. Auch der Weg selbst war sehr ordentlich, fast wie im Werdauer Wald. Nur keine Menschen. Nicht mal einer!

Vielleicht liegt es mit der Qualität des Weges auch daran, dass ich auf einem besonderen Weg bin.

Nein, nicht bloß Nydalsleden, bzw. Birgittaleden, sondern Kungsleden! Königsweg! Dies hier ist der Südliche. Ich muss aber sagen, dass der Nördliche in Lappland viel, viel schöner, weil naturbelassen, ist.

Gegen Mittag komme ich in Strömnäsbruk an.

Hier, so hatte ich es mir notiert, sollte ich die heutige Nacht in einer kleinen Kinderkirche verbringen. Bloß, wo war die? Hier jedenfalls nicht!

Ich sah mich schon auf meiner Luftmatratze unter freiem Himmel schlafen. Doch dann tauchte ein Kirchengärtner auf, den ich natürlich ansprach. Die Kinderkirche? Nee, die ist nicht hier. Die ist in Traryd! 4 Kilometer von hier entfernt.

Ich wollte meinen Rucksack schultern und los laufen, als er mich fragte, ob ich nicht vielleicht noch eine Viertelstunde warten möchte, dann könne er mich in seinem Auto mitnehmen. Na, wenn das kein Angebot ist?!

So getan. In Fraryd angekommen, wurde ich gleich in das Pastorat geführt. Kaffee gefällig? Na klar!

Wie kommt man auf so eine Idee, die ich gerade auslebe? Der letzte Pilger war vor 4 Jahren hier. Dürfen wir ein Foto von dir machen? Du musst unbedingt ins Kirchenblatt! Da fühlt man sich doch willkommen!

Und es gab sogar einen Stempel für den Pass. Einen Dreifachen! Da ist gleich die ganze Seite voll.

Und hier drinnen werde ich nun die heutige Nacht verbringen. (Das Bild habe ich erst am Abend gemacht, als ich feststellte, dass es vom Gebäude noch keines gab.)

So sieht sie also aus, meine heutige Schlafstätte. Allerdings mit drei kleinen Nachteilen. Toilette außer Haus, kein WiFi und keine Steckdose. Das allerdings ist ein bisschen blöd.

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