Flahult – Sjöerüd

Der heutige Tag startet gleich mal wieder ganz anders. Scheint da etwa ein wenig die Sonne? Der Wetterbericht meldet doch etwas ganz anderes.

Kurzes Frühstück und los! Weit komme ich nicht. Ich bin viel zu warm angezogen, obwohl die gleichen Temperaturen herrschen, wie gestern. Was es doch ausmacht, wenn der Wind nicht bläst. Heute also Daune aus und Fleece an.

Zum Auftakt ging es erstmal die 2,5 Kilometer zurück zur Straße und dann nochmal die gleiche Distanz am Straßenrand bis Nydala.

So sieht die berühmte Kirche von Nydala aus. Von außen eher unspektakulär, auch wenn der Turm und seine Wände mit Holzschindeln abgedeckt sind.

Glücklicherweise war gerade ein junger Mann damit beschäftigt, einen großen Touchscreen im Kircheninneren zu installieren. Dadurch kam ich rein. Aber warum nur verfällt die Welt immer mehr in Anonymität und es gibt keinen mehr, den man mal was fragen könnte?

Innen war sie schon ganz schön prachtvoll. Hätte man gar nicht vermutet.

Der Klostergarten dagegen war eher ein Witz. Vom Stempel wird heute nicht gesprochen. Auf dem Gelände hier gab es in einer Scheune noch ein Museum. Natürlich hatte das auch zu. Aber die Toiletten waren geöffnet! Ja, das ist mir aufgefallen, in Schweden gibt es selbst bei den kleinsten Kirchen Toiletten. Wenn nicht in der Kirche drinnen, dann aber in unmittelbarer Nähe.

Und hier an der Kirche endet der Nydalleden und ein neuer Wanderweg beginnt, nämlich der Munkaleden. Munka hat aber nichts mit dem ungarischen Wort munka (Arbeit) zu tun, schließlich sind wir ja in Schweden! Nein, Munka ist der Mönch.

Und der startet auch gleich richtig toll, jedenfalls der Weg! Erst mal quer über eine Wiese und dann 100 Meter von oben und unten zugewachsener Weg. Dann geht es kurz über eine Straße und nochmal 200 Meter auf einer Zufahrt zu einem Sägewerk.

Ach, ich liebe diesen Duft von frischem Holz. Aber es ist schon erschreckend, wie viel Holz hier zur „Verarbeitung“ liegt und wie viel schon fertig aufgestapelt daliegt.

Und dann ist Schluss mit Asphalt. Nur noch unversiegelt. Siegel ist auch gleich das Stichwort.

Trittsiegel vom Elch. Schade, dass ich den Verursacher dieser Wegunebenheit nicht zu Gesicht bekam.

Kurz dahinter begann dann mein Weg.

Und dann ging es nur noch durch den Wald auf bestens ausgeschilderten Wegen. Und wo kein Weg mehr ist, sondern nur noch ein Trampelpfad, da gibt es dann blaue Punkte an den Bäumen.

Manchmal kamen auch wieder Erinnerungen an den PCT auf, denn nicht alle umgestürzten Bäumen wurden zersägt, damit man einfach weiter laufen kann. Und es gab auch wieder Stellen nach dem Motto: Finde den Weg!

Herrlich so viel Heidelbeerkraut! Aber mit der Herrlichkeit war es bei mir dann doch schnell vorbei. Das Kraut war nass und meine Hose und die Schuhe dann auch ganz schnell. Das wird dann doch eklig.

Und dann geschah das Unfassbare! Sitzen da doch zwei Wanderer auf einem umgefallenen Baum und halten Rast. Sie ist Schwedin und er ist in Norwegen geboren. Na klar kommt man ins Gespräch! Woher? Wohin? Sie sind in Vadstena gestartet, was mein Ziel ist. Wie sieht der Weg vor einem aus? Man gibt sich gegenseitig Tipps und dann geht es weiter. Wenn man nämlich erst einmal anfängt zu frieren- und es war schon frisch heute- wird man auch nicht so schnell wieder warm.

Heute ging es auch mehrfach über kleine Flüsse, vorbei an kleineren und größeren Seen und auch mehrfach durchs Moor.

Um da durchzukommen hat die Sparkasse die Bohlen spendiert, über die man balancieren muss. Ein wenig froh bin ich auch, dass ich so zeitig im Jahr unterwegs bin. Ich könnte mir vorstellen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt hier nur so von Mücken wimmelt. Kennt man ja auch aus Amerika.

Durch den Wald zu laufen, finde ich immer wieder schön, auch wenn es manchmal nur Trampelpfade sind.

Moose und Flechten gibt’s zuhauf. Sogar eine Fahrradspur war im schlammigen Untergrund zu sehen. Wer fährt hier denn Rad? Doch nicht etwa der Hamburger Jung? Nee, keine Chance bei den Massen, die er bewegt.

Dann aber kam der Hass. Grober Schotterweg! Man „läuft“ wie auf Eiern, kann sich nicht abdrücken, Stockeinsatz ist auch nicht und man kommt kaum von der Stelle. Das Ganze etwa (gefühlte) vier Kilometer! Da sehnt man sich sogar nach Asphalt.

Einen Kilometer vor dem Ziel kam er auch und mit ihm die ersten Regentropfen.

Ja, und als ich an der Rezeption nach meinem Zimmer für heute Nacht frage, gehen alle Schleusen auf. Glück gehabt! Aber war ja klar, denn heute ist ja der 13te!

Allerdings kam heute Abend noch eine weniger schöne Nachricht. Eine Unterkunft hat mir abgesagt. Ich hoffe doch, dass ich noch was finden werde.

Ein Kommentar zu „Flahult – Sjöerüd

  1. Ach ja, die abgesagten Unterkünfte. Und ach ja, diese Untergründe. Wer kennt das nicht.

    Du weißt ja, dass der Weg Dir das gibt, was Du brauchst. Egal, auf welchem Weg Du gerade bist. Das klappt schon.

    Alles Gute und einen guten Weg.

    Der Pilger, der immer noch nicht Richtung Norden unterwegs sein kann. (Aber bald!!!)

    P.S. bestelle in Vadstena im Pilgerbüro liebe Grüße von uns. Vielleicht siehst Du ja meinen Stempel.

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