Landskrona – Kågeröd

Der heutige Tag fing schon mal gar nicht so gut an. YR, der skandinavische Wetterbericht, hat sich geirrt. Aus dem Regen von Mitternacht bis 6 Uhr früh ist mehr geworden. Auch die Temperaturen waren ganz schön tief angesiedelt. Es war einfach nicht schön, vor die Tür zu gehen. Aber Plan ist Plan! Und ein gescheites Frühstück muss auch sein! Sonst kann der Tag nicht richtig starten.

Gleich um die Ecke, nur zwei Minuten entfernt, gibt es noch einen richtigen Bäcker. Also, nichts wie hin!

Leckerste Backwaren gab es da. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass sie es waren, denn mein Knoten mit Kardamom war vorzüglich! Nur leider gab es keinen Kaffee. Was ist denn hier los? Wir sind doch in Schweden! Hier gibt es doch Kaffee im Refill bis zum Abwinken! Nun, dann eben nicht! Glücklicherweise gab es aber Kakao. Der ist bestimmt auch gesünder für den Magen und hat zudem noch deutlich mehr Kalorien als der Kaffee. Und Kalorien braucht man auf langen Strecken. Die sind ja auch ganz schnell wieder verbrannt.

Nach dem Frühstück wollte ich zur Bushaltestelle laufen, um mal wieder zum Verlassen der Stadt nicht umher zu irren, als mich ein Herr, den ich im Bäckergeschäft bereits gesehen habe, ansprach und mich mit seinem Auto zur Bushaltestelle fahren wollte. Das fand ich bei dem ekelhaften Wetter besonders nett. Christian erzählte mir, dass er früher bei der Feuerwehr gearbeitet hat und dadurch alle Abkürzungen in Landskrona kennen würde. Jedenfalls waren wir ganz schnell an Ort und Stelle und ich konnte in der kalten Bushaltestelle in Ruhe mit der App mein Ticket lösen.

12 Minuten gefahren, ausgestiegen und dann ging es los im Nieselregen.

Aber ab 11 Uhr hörte das dann auf. Nur der kalte, mitunter ziemlich böige Wind blieb mir erhalten.

Pünktlich zu Mittag komme ich zu diesem Restaurant. Flinckmans Café. Der kleine Hunger ist da, die Sehnsucht nach Kaffee auch! Und in den nächsten Orten bis zum heutigen Tagesziel keine Einkaufs-, geschweige denn Einkehrmöglichkeit.

Wenn ich da nicht rein wäre, hätte ich doch wirklich was verpasst! Jede Menge Köstlichkeiten! Gebäck als Kuchen, Torte Muffins usw. Aber auch Sandwiches. Ich bestellte mir Apfelkuchen mit Vanillesauce und ein großer Topf Kaffee. Da lacht das Wandererherz und man ist mit der Welt versöhnt.

Das Café hatte mehrere Räume, die den Charme längst vergangener Zeiten aufwiesen. Nur ein Raum war etwas seltsam.

Vom heutigen Besitzer bekam ich auf meine Frage hin einige folgende Informationen, warum das so ist. Der Herr/die Dame sei Lasse Flinckman. Er war Schauspieler und Regisseur und wohl die berühmteste Dragqueen Schwedens. Als es mit der großen Karriere zu Ende ging, richtete er hier ein Café ein, welches außerhalb der Auftrittssaison betrieb. Bevor er 2016 nach langer Krankheit verstarb, übereignete er das Café dem heutigen Besitzer, der mit diesem Zimmer an die „guten, alten Zeiten“ erinnern will.

Und weil ich so schön aufgegessen habe, war dann auch der Sonnenschein da. Ich hatte heute alle Jacken an. Erst die Regenjacke, dann die Daunenjacke, anschließend die Fleecejacke und als es dann noch wärmer wurde, habe ich die dann aber weggelassen.

5 Minuten nach dem Café komme ich nach Sireköpinge. Die Kirche sollte man unbedingt besucht haben, steht im Internet. Bloß wie, wenn wieder alles verschlossen ist. Stempeln war auch nicht! Aber ich finde, sie macht schon was her und der Friedhof sieht sehr gepflegt aus. Allerdings stehen nur in den seltensten Fällen Blumen auf den Gräbern. Meist nur Grabstein, davor Kies und kleine Buchsbaumhecke drumherum. Das war’s. Dafür sind die Wege sehr ordentlich geharkt. Kies in Wellenform. So sieht es nicht mal in Japan auf dem Friedhof aus. Oder ist es doch Feng Shui?

Und dann geht es wieder 12 Kilometer auf der Landstraße entlang, bis ich nach Kågeröd komme.

Ehe ich zu meiner heutigen Unterkunft laufe, mache ich noch einen kurzen Abstecher zur Kirche. Alles zu, Nix da. Aber es gibt einen kleinen Weg vom Friedhof zu einem Haus. Den habe ich genommen und siehe da, ich stehe vorm Pfarrbüro! Und es brennt Licht! Sollte ich jetzt doch Glück haben?

Also geklingelt und es wurde mir geöffnet. Nein, die Kirche könne jetzt leider nicht besichtigt werden, auch nicht, nachdem die liebe Frau noch jemand Verantwortlichen angerufen hatte. Morgen Nachmittag wäre es aber möglich. Da will ich aber schon wieder ganz woanders sein. Tja, und Stempel war auch nicht. Der wäre neu bestellt, aber immer noch nicht da. Und ein alter Stempel existiere wohl nicht mehr. Hmmm ???

Ich bin danach noch etwas zum Essen einkaufen gewesen und dann ab in die Unterkunft. 1st class escape nennt es sich. Hoffentlich wird hier nicht hochgestapelt. Best Western klingt ja auch recht gut, ist aber nichts besonderes. Aber wenigstens hier wurde ich nicht enttäuscht! Zwar viel IKEA, aber alles sehr geschmackvoll. Ein Ort zum Wohlfühlen! Und das Ganze zu einem mehr als fairen Preis!

Ach ja, und besonders tierlieb scheint man in Kågeröd zu sein!

Mal sehen, wie’s morgen weitergeht.

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