Auch heute ging der Tag mit strahlendem Sonnenschein, aber niedrigen Temperaturen los. Macht ja nichts! Erstens kann man sich warm anziehen (was eigentlich ein Fehler ist) und zweitens wird einem durch das Laufen ganz schnell warm. Warm ums Herz wird einem bei diesen wettertechnischen Voraussetzungen sowieso.
Tja, der Weg. Klar in der Stadt bzw. bis zum nächsten eingemeindeten Ort sieht natürlich wieder schwarz aus. Aber dann! Glatt wie eine Festtafel und schnurstracks geradeaus. Der Untergrund wie fester Waldweg mit einzelnen Schotterstrecken und teilweise bemoost. Offensichtlich sind hier nicht viele unterwegs.

Und dann wird es mir klar. Das ist eine ehemalige Eisenbahnstrecke! Ach schön! Damit gibt es nämlich auch keine steilen Anstiege.
Nach etwa einer Stunde kam ich dann in Åsljunga an. Ein kleiner Ort mit einer schönen kleinen Kirche.

War natürlich wieder klar! Wieder zu! Wäre ich allerdings am nächsten Tag hier eingetroffen, hätte ich Glück gehabt. Da ist Pankakerkyrka Nein, nicht allumfassende Sch…!. Was das ist? Pfannkuchenkirche! Also Kindergottesdienst!
Ja, mit dem Essen hat man es offensichtlich in diesem Ort.

Hier gibt es nämlich auch Wein Pfefferkuchenhaus. Sieht zwar nicht wie bei Hänsel und Gretel aus, steht aber so dran.
Weiter geht’s auf der Trasse. Wenn das so easy vor sich hin geht, hat das schon etwas Meditatives. Nur der Einsatz der Trekkingstöcke mit deren Klack-klack ist ein wenig störend.
In Skånes Värsjö habe ich erstmal den Abzweig zur Kirche verpasst. Natürlich habe ich nochmal umgedreht und bin 500 Meter zurück. Hätte ich vorher gewusst, was mich dort erwartet, hätte ich mir das geschenkt. Unschön und geschlossen und deshalb auch kein Foto.
Dann wieder zurück auf die Strecke! Und hallo, wer „versperrt“ mir hier den Weg?

Weiter ging es. Mal durch Wälder natürlich schwedische Birken, Kiefern (Daraus baut IKEA die Regale.) und erstaunlich viele Buchen. Dazwischen immer mal wieder Moore, Feuchtwiesen und Seen. Zum hier liegenden Trollsjö bin ich nicht gelaufen. Wozu auch? Trolle sind doch nachtaktiv!
Als meine Uhr 20 Kilometer anzeigt, bin ich endlich in Skånes Fagerhult angekommen.
Und hier habe ich mich mal wieder blamiert.

Als ich in die Kirche hinein will und den Türdrücker hinunter drücken wollte, bewegte der sich keinen Millimeter. Ach ja, da gibt es ja den elektrischen Türöffner. Ich betätige diesen und nichts passiert! Mann aber auch!
Auf dem Gelände um die Kirche herum ist eine junge Frau mit einem Rasentraktor fleißig zu Gange. Ich stoppe sie einfach, stelle mich kurz vor und frage, ob ich die Kirche besichtigen und einen Pilgerstempel bekommen könne?
Ja, gar kein Problem! Wie jetzt? Sie geht mit mir zum Kirchentor und zieht einfach den Türflügel auf! So langsam zweifele ich ein bisschen an mir. So etwas ist mir erst kürzlich in einem Hotel in Flensburg passiert.




Und schön sah es drinnen aus. Hell, sauber und alles, wie aus dem Ei gepellt. So schön ist Schweden.
Und dann kam der Mittagshunger. Also hin zum ICA, dem Lebensmittel- und einzigem Laden in town. Knacker, frische Brötchen und ein kaltes Getränk. Das war’s.
Nach der Pause hatte ich dann irgendwie nicht mehr richtige Lust zum Weiterlaufen. Aber Busfahren in einem gelben Doppelstockbus wollte ich doch schon immer einmal ausprobieren!
Gedacht, getan! Vielleicht habe ich ja auch Glück und ich kann in meine heutige Unterkunft schon rein, auch wenn offiziell erst 17 Uhr Check in sein soll?
Ich steige ein, fahre an der ersten Haltestelle vorbei und betätige dann den Knopf für den Ausstiegwunsch. Aber denkste! Der Bus hält nicht an. Auch an der nächsten Haltestelle nicht! Mittlerweile bin ich schon über 2 Kilometer übers Ziel hinaus gefahren. Nun gehe ich doch nach vorne zur Busfahrerin und schildere ihr mein Problem.
Naja, wir haben es gemeistert! Und ich habe dabei geholfen! Schön die Straße abgesperrt und beim Rückwärtsfahren eingewiesen. Dann wieder zurück und dasselbe Spiel nochmal. Nur diesmal mit Rucksack! Nicht auszumalen, was wäre, wenn sie mit meinem im Bus liegenden Gepäck losgefahren wäre!
Naja, wie nicht anders zu erwarten, war in meiner Unterkunft niemand da. Um die Zeit rumzubringen bin ich an den nahe gelegenen See gelaufen und habe mich in die Sonne gesetzt. Schweden sind drin zum Baden gewesen und waren der Meinung, dass es schön erfrischend gewesen sei.
Mein Gott, bin ich ein Weichei!
