Die Nacht war kurz. Im Wandererheim war außer mir auch eine Gruppe Jugendlicher untergebracht, die wahrscheinlich auf Klassenfahrt war. An solchen Aktivitäten haben wir ja alle mal teilgenommen und wissen also, was man da so nächtens treibt. Erstaunlicherweise war aber schon halb 7 Uhr das Rollen diverser Koffer auf dem Flur zu hören. Das wurde natürlich mit lautstarken Gesprächen und Streitigkeiten begleitet. Die lieben Schüler wurden bereits um diese Zeit von ihren Eltern abgeholt. Klar, halb 7 Uhr kann man aufstehen. Aber es ist doch Sonntag und ich bin Rentner und Frühstück gibt es auch erst ab 8 Uhr!
Das musste ich zwar noch zubuchen, war aber sehr gut und somit sein Geld wert. Frisch gestärkt ging ich frischen Schrittes bei frischem Temperaturen hinunter zum Vätternsee, an dessen Ufer der Weg entlang führte. Aber leider führte da nicht nur der Weg entlang, sondern auch die Autobahn. Und wer denkt, dass auf der am Sonntagmorgen Ruhe herrscht, sieht sich gewaltig getäuscht.
Na okay, nach etwa 40 Minuten führte der Weg rechts unter der Autobahn hindurch Richtung Kaxholmen stets und ständig und in einem weiten Bogen bergauf.


Tja, das sollte die erste Stempelstelle sein. Aber das Schild beweist es, Freitag, Samstag und Sonntag geschlossen. Und ich dachte immer, Sonntag wäre der Tag der höchsten Produktivität in der Kirche?

Es geht ein ganzes Stück neben der Straße am Landsjön (sjö = See) entlang. Und wer genau hinschaut, erkennt, dass da demnächst mit Regen zu rechnen ist.

Und genau das war es dann auch! Während ich Bilder aus der Heimat mit strahlendem Sonnenschein bekommen, gießt es hier in Strömen. Glücklicherweise ist hier gleich ein Anwesen mit einer Garage, unter deren Dach ich mich unterstellen kann. Nach 20 Minuten hört der Regen auf und die Sonne kommt richtig raus und ich bin schon wieder in der Spur.

Und es geht zwischen blühenden Rapsfeldern noch weiter, aber nicht mehr ganz so steil, bergan. Dann kommen mir etwa 20 Leute entgegen, die heute mit Frau Pastorin eine kleine Wanderung auf dem Pilgerweg machen. Start und Ziel ist die Kirche in Skärstad. Ich bekomme noch den Hinweis, dass ich die Kirche nur über den Seiteneingang betreten könne. Das ist gut zu wissen, denn das spart Zeit, wenn es wieder regnet, was es dann auch tat. Wieder Glück gehabt!
Als der Regen wieder vorüber ist, geht es bei deutlich besserem Wetter wieder weiter. Natürlich wieder fleißig bergan und bergauf! Und irgendwann gegen halb 2 Uhr kommt dann auch wieder dieses komische Gefühl in der Magengegend. War da nicht in der Karte ein Café eingezeichnet? Genau! Noch 1,5 Kilometer bis dorthin!
Aber vorher muss ich noch durch ungeheuer gefährliches Gelände.

Stellt sich nur die Frage, wer den größeren Hunger hat?

Ja, Hofcafès gibt es auch in Schweden. Feinste Backwaren und Kaffee sowieso. Und heute habe ich etwas getan, was ich noch nie gemacht habe. Ich habe für Liebe bezahlt!



Die leckeren Kalorienbomben heißen Liebesküsse Ich hoffe, meine liebe Frau kann mir verzeihen? Gut , dass ich hier eingekehrt war, denn draußen regnete es mal wieder in Strömen.
Weiter geht’s dem heutigen Etappenziel entgegen. Etwa einen Kilometer vor neiner Unterkunft hat es mich dann doch erwischt. Ich hatte noch überlegt, mich bei einer Scheune unterzustellen, dies aber dann doch abgewählt, in der Hoffnung, noch vor dem Regen im Ziel zu sein. Nun ja, war leider nicht so!

Gleich neben meiner Unterkunft in Ölmstad befindet sich diese wunderschöne Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Auch diese war natürlich verschlossen als ich hinein wollte. Aber dann sah ich eine Ankündigung, dass da heute Abend um 18 Uhr eine Andacht mit Musik war. Da musste ich natürlich hin! Die Ansprachen habe ich trotz ÜbersetzerApp nicht mitbekommen. Okay das Vaterunser schon. Aber die Musik war wieder herzergreifend. Die junge Frau, die da sang, hatte vor etwa 15 Jahren in Schweden das Supertalent gewonnen! Also, einsame Spitze!
Ach ja, Frau Pastorin, die ich zwischen den Feldern schon getroffen hatte, hieß hier in dieser Kkrche die Andacht.



