Ach, habe ich letzte Nacht gut geschlafen! Nun ja, nach solch einer langen Wanderung darf man ja auch ein wenig kaputt sein und sich für die nächste Etappe ausruhen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich der einzige Gast in dem Hostel und somit himmlische Stille war?
Mein Frühstück habe ich mir, wie das im Hostel so üblich ist, selbst gemacht. Es gab mal wieder die heiß geliebten Gifflar, einen „griechischen“ Joghurt mit Mango und Kakao. Also nur gute Sachen! Es soll ja auch energetisch recht lange vorhalten.
Dann gab es aber doch etwas Unangenehmes am frühen Morgen. Nein, nicht das Wetter! Der heftige Regen der letzten Nacht hatte sich verzogen und es herrschte strahlender Sonnenschein. Nein, die Rezeption war nicht besetzt! Eigentlich sollte ich ja in der Unterkunft bezahlen. Ich wartete noch eine ganze Weile, doch dann musste ich auch irgendwann mal los. Und das tat ich dann auch. Ein schlechtes Gewissen brauchte ich nicht zu haben, da die Bezahlung mit meiner Kreditkarte schon vorher garantiert wurde. Nun muss das Geld eben einen anderen Weg gehen.
Ja, dann geht es los. Erst mal wieder die Straße entlang, auch über den Fluss, den Berg hinauf und ich bin wieder auf dem Franzuskusweg. Der ging aber leider nicht sehr lange durch den Wald, da sich die Orte schon im Einzugsgebiet von Jönköping befinden.
Mit dem Namen Jönköping verbinden sich bei mir Kindheitserinnerungen. Kennt ihr noch die großen, alten Röhrenradios? Großer Holzkasten mit super Klang dank Röhrentechnik und großen Lautsprechern. Vorne zwei große Drehknöpfe – Links für Lautstärke und rechts zur Senderwahl. Drehte man an dem rechten Knopf, bewegte sich ein Zeiger hinter einer Anzeige mit ganz vielen unbekannten Städtenamen. Solch ein Radio hatte meine Großmutter. Ja, und da stand z.B. Hilversum, Tallin, Helsingborg und eben auch Jönköping. Alles Orte, die so fremd und unerreichbar waren. Radiosender gab es dort bestimmt nicht, da beim Einstellen der Senderwahl höchstens mal ein Rauschen kam. Aber es war für mich immer faszinierend, diese fremden Namen zu lesen und zu träumen.
Ja, und nun komme ich heute an solch einen magischen Ort. Jönköping! Das heißt, erst mal nach Gråshaugen. Nichts besonderes. Nur eine Anhäufung moderner Häuser und mit einer ebenso zwischen den Häusern eingeklemmten kleinen Kirche. Natürlich zu! Ich versuche es mit Ziehen, Drücken und Schieben. Aber nichts passiert. Die ist wirklich zu!
Gerade als ich gehen will, kommt eine Person in Pfarrerkleidung um die Ecke. Ich schreibe bewusst Person, da gekleidet wie eine Frau, die Stimme und das Aussehen eher männlich. Seis drum! Ich werde kurz in die Kirche gelassen, bekomme einen Stempel und werde sofort wieder herauskomplimentiert. Keine Zeit! Die Person muss in die Innenstadt zur Sofienkirche, weil dort heute eine große Messe zelebriert werden soll.
Nun denn, weiter geht’s in Richtung Jönköping Zentrum.

Genau so sieht die Hauptstraße aus, die ins alte Stadtzentrum führt. Im Hintergrund kann man auch die große und damit Hauptkirche erkennen. Als ich sie betrete steht der/die Pastor*in in vollem Ornat da, lächelt und winkt mir zu. Ich war perplex. Und wenn ich noch einen Stempel bräuchte, der wäre dort hinten rechts in der Ecke, wo man auch dieses und jenes kaufen könne.

Diesmal bin ich nicht zurr Messe dageblieben, aber ich habe eine Kerze angezündet. Gründe dafür gibts genug!
Im Anschluss daran ging ich über einen kleinen Pflanzenmarkt, wo es neben den Pflanzen auch leckere Dinge zu kaufen gab.




Bei den Mädels mir ihren belgischen Erdbeeren konnte ich dann nicht widerstehen. Den Erdbeeren!
Anschließend ging es weiter die Straße runter.



Hier auf dem ehemaligen Gelände einer Streichholzfabrik gibt es jetzt genau zu diesem Thema ein Museum. Außerdem sind hier in den alten Fabrikgebäuden Büros, Boutiquen und Bars angesiedelt. Das Museum habe ich mir verkniffen, da kurz vor mir ein Reisebus seinen Inhalt ausgekippt hat. Da wirds eng und laut. Nichts für mich!

Und gleich hinter dem Museum liegt das Ufer des Vätternsees. Bei der Größe sollte man schon eher von einem Meer sprechen.
Dann Baustelle und ich komme an der Uferstraße nicht weiter. Ob ich will, oder e, ich muss durch die Fußgängerzone. Die großen Marken der Welt, aber auch viele schwedische Labels sind hier vertreten. Ich bin , um mich vor einem Schauer in Sicherheit zu bringen, rein zufällig in einen Outdoorladen geflüchtet. Die haben Preise jenseits von gut und böse! 180 Euro wollen sie für ein lumpiges Hemd von Fjällraven haben! Unklar!
Ja, das Wetter! Das wäre eben Maiwetter! Das ist also das, was bei uns das Aprilwetter ist. aber nächste Woche soll das Wetter wieder schön werden! Na, schauen wir mal!
Jetzt sind es noch 8 Kilometer bis zum Wandererheim. Die Frequenz der Regenschauer nimmt immer mehr zu und ich rette mich von einer Bushaltestelle zur nächsten. Das ist nun der Vorteil, wenn man in der Stadt ist bzw. die Orte ineinander übergehen.
Der nächste Ortsteil ist Rosenlund.

Hier gibt es direkt an der Hauptstraße einen schönen Herrensitz, der zu einem Rosengarten umfunktioniert wurde. Schade, dass ich so zeitig im Jahr hier bin! Es muss im Sommer toll aussehen, wenn alles blüht.
Und dann kommt Husquarna. Auch nichts besonderes. Eigentlich hatte ich vor, hier ins Motorradmuseum zu gehen. Aber bei dem Mistwetter? Und dann wurde mir gesagt, dass die Motorräder nur einen Teil der Ausstellung ausmachen. Es wird alles mögliche gezeigt, was die Firma mal herstellte; Küchenmaschinen, Kettensägen, Rasenmäher, Sensen, Fahrräder, Motorräder (klar!) und leider auch Gewehre für die Armee!

Da beziehe ich doch lieber mein Zimmer im Wandererheim und genieße die warme Dusche!