So, ihr Lieben, nun ist er also da, der letzte Tag auf dem Weg nach Vadstena.
Eigentlich war ich schon beizeiten startklar für die letzten 26 Kilometer, aber Frühstück gab es erst ab 8 Uhr. Und warum darauf verzichten, wenn es doch bezahlt ist? Ja, es war ein sehr gutes Frühstück! Mit selbstgebackenem Brot, was sogar noch warm war. Dazu alles, was das Herz begehrte inklusive frischem Obst.
Da ich der erste im Frühstückssaal war, hatte ich auch die volle Auswahl. Irgendwie war ich heute auch sehr durstig. Ich habe 2 Pötte Kaffee, 4 Gläser Saft und einige Melonenscheiben vertilgt. Das war zwar „Druckbetankung“, tat aber sehr, sehr gut!
So frisch gestärkt, ging es dann los. Natürlich Straße! Nach 4 Kilometern biege ich zur ersten Kirche ab. Natürlich geschlossen. Aber im Gelände ist ein junger Mann – ganz in schwarz gekleidet – und auch noch mit einem Hund! Normalerweise würde ich ihn nicht ansprechen, aber beim Näherherankommen sehe ich den Schriftzug „Svenska Kyrkan“ auf seiner Jacke. Also keine Gefahr vor dummen Sprüchen. Wir haben uns bestimmt 15 Minuten unterhalten, unter anderem auch über die dumpfen Geräusche, die ich schon seit mehr als 3 Tagen wahrnehme.
Zuerst nur ganz leise. Und als ich bei einer Rast in der Wiese lag, konnte ich auch Erschütterungen spüren. Das letzte Mal, dass ich so etwas merke, war im Himalaya. Nee, Erdbeben sollte in Skandinavien wohl ausscheiden. Hier herrscht doch tektonische Funkstille. Ein Steinbruch? Entfällt auch. Dazu kamen die Geräusche zu oft. Blieb nur noch eines übrig. Hier wird mit schwerem Gerät geschossen. Und das war es auch, was mir der junge Mann bestätigte. Schwere Waffen, die ihre ebenfalls schweren Geschosse in Richtung Vätternsee abfeuern. Da möchte man aber elend aufpassen, wenn man da mit einem Boot unterwegs ist. Und das Nächste ist, der See versorgt die ganze Region mit Trinkwasser. Da möchte man lieber nicht so genau wissen, was man außer Wasser noch so zu sich nimmt!
Ach ja, Stempel? Der befindet sich in einer Box am Haupteingang. Offensichtlich bin ich durch die Hintertür gekommen.

Dann weiter schnellen Schrittes, denn der Wetterbericht hat mal wieder ab Mittag Regen gemeldet.

Ja, hier sieht es noch ganz freundlich aus, aber der Wind wird immer stärker. Ein sicheres Zeichen also, dass die Wetterfront bald da ist.

Die Wolken kommen immer tiefer und dann geht es auch los. Ich bin so frei und stelle mich im Vorbau eines kleinen Häuschens unter, was offensichtlich nur sporadisch bewohnt wird. Nach 10 Minuten lacht die Sonne wieder und weiter geht’s.
An der nächsten Kirche ähnliches Spiel. Kirche zu. Stempel in der Kiste. Hier gibt es aber nur einen Eingang, so dass ich ihn auch gleich gefunden habe.

Diese kleine Kirche befindet sich auf einer Anhöhe, von der man eine gute Aussicht auf den See hat. Und zwei Kilometer danach kann man das erste Mal die Turmspitzen von Vadstena sehen. Bis dahin sind es aber noch 14 Kilometer.


So sieht er also aus, der Stempelkasten. Eigentlich sollten sich darin auch diverse Informationen und Telefonnummern befinden, aber leider nein. Nur im Schaukasten der Kirche ist eine Information. Heute: 14 Uhr Pilgerwanderung mit Start am Pilgerzentrum. Nun das wird wohl leider nichts werden mit mir. 8 Kilometer in einer Stunde schaffe ich wirklich nicht!
Und dann hat mich der Regen doch noch erwischt. Offensichtlich weint der Himmel, weil sich meine Tour nun dem Ende neigt. Also, ein letztes Mal die Regenklamotten raus und den Rucksack unter der Regenplane versteckt, und weiter geht’s. Nun aber nur noch über freie Landschaft. Kein Haus weit und breit und damit auch keine Chance, sich irgendwo unterzustellen.
Aber: drei Kilometer vor Vadstena scheint die Sonne wieder! Es scheint sich also doch jemand zu freuen, dass ich ankomme.

Es geht am imposanten Schloss vorbei hin zur Klosterkirche.

Das ist schon ein ganz schöner Koloss. Und in ihm fühlt man sich mächtig verloren. Besonders schön ist er allerdings nicht.
Nach dem Besuch der Kirche gehe ich noch ins Pilgerzentrum und werde dort sls erster Pilger des Jahres überaus freundlich empfangen. Man fragt mich regelrecht über meine Erlebnisse auf dem Weg aus. Was war gut? Was sollte verbessert werden? Und überhaupt: von Malmö nach Vadstena ist bisher noch niemand gekommen. Somit war ich also doppelte Nummer eins!
Schnell noch ein Foto von mir für die Pilgergalerie und ab ins Café und freier Kaffee für mich.

Eine Pulgerurkunde gab’s natürlich auch!
Der Weg ist gegangen. 540 Kilometer sind geschafft. Morgen noch ein wenig Sightseeing und dann geht’s wieder nach Hause. Ein lieber, guter Freund (der verrückte Kerl!) holt mich mit seinem Auto ab und wir fahren zusammen zurück ins schöne Vogtland.